Trends in der Transportlogistik

Containerschiff im Hafen

Containerschiff im Hafen

Globalisierung, Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und Klimawandel – globale Megatrends sind die Herausforderungen der Zukunft. Das gilt auch für die Transportlogistik.

Beginnen wir mit ein paar Zahlen: Der Warenexport stieg zwischen 1960 und 2008 um mehr als das 15-Fache. Der Verkehr wächst täglich um 95.500 Fahrzeuge. Der Transportsektor ist in der EU der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen. Andererseits schafft er Arbeitsplätze für zehn Millionen Menschen und die Transportlogistik ist von grundlegender Bedeutung für die Versorgung mit Waren und Gütern. In den vergangenen Jahren wurde bereits viel getan, um die CO2-Emissionen weiter zu senken. Doch CO2 bleibt weiter ein Thema.

In ihrem White Paper „Fahrplan zu einem einheitlichen europäischen Verkehrsraum – Hin zu einem wettbewerbsorientierten und ressourcenschonenden Verkehrssystem“ nennt die Europäische Kommission zehn Punkte, um die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 60 Prozent zu senken. Hier ist auch die EU-Forschung gefragt, den „gesamten Zyklus von Forschung, Innovation und Einführung“ integriert anzugehen, indem sie sich „auf die vielversprechendsten Technologien und ein Zusammenbringen aller beteiligten Akteure“ konzentriert, wie es in dem White Paper heißt.

Nichts geht ohne Kooperation und Vernetzung

„Kooperation und Vernetzung sind die Trendthemen der Transportlogistik. Unabhängige Einzelmaßnahmen sind inzwischen weitgehend ausgereizt. Das gilt für die Schaffung eines einheitlichen europäischen Verkehrsraums ebenso wie für Kooperationen zwischen Unternehmen“, sagt Marcel Huschebeck, Concepts&Solutions Manager bei der PTV Group.

Wegweisend, wie IT-Lösungen dazu gestaltet sein müssen, ist das EU-Projekt iCargo. Hier kooperieren 29 Partner aus Forschung und Entwicklung sowie Logistikunternehmen und die öffentliche Hand, um ein Informationssystem in der Cloud aufzubauen. Es soll Verlader und Spediteure dabei unterstützen, eine bessere Synchronisation und Frachtauslastung über alle Transportarten zu erreichen. Echtzeitinformationen über Verkehr und Bedingungen der Transportinfrastruktur sollen den Nutzern helfen, ihre Planungsprozesse zu optimieren und die Umweltbelastungen zu senken.

Gleich ein ganzer Transportkorridor steht im Mittelpunkt des Projekts CODE24. Hier sollen Wirtschafts-, Verkehrs-, Umwelt- und räumliche Entwicklung entlang des Korridors Rotterdam-Genua aufeinander abgestimmt werden. Die Achse verbindet die stärksten Wirtschaftsräume des Kontinents. In ihrem Einzugsgebiet wohnen 70 Millionen Menschen. 50 Prozent des Nord-Süd-Güterverkehrs werden auf der Schiene abgewickelt – 700 Millionen Tonnen jährlich. Die Achse verläuft durch die Niederlande, Deutschland, die Schweiz und Italien. „Indem das Projekt auf eine koordinierte, transnationale Strategie abzielt, soll der Korridors fit für die Anforderungen der Zukunft gemacht werden“, so Huschebeck.

Das EU-Projekt Modulhushca (Modular Logistics Units in Shared Co-modal Networks) analysiert die Machbarkeit offener Logistiknetzwerke, in denen Verlader und Transportdienstleister miteinander kooperieren. Standardisierte Ladungsträger (M-Boxes), in denen sich Einzelsendungen zu einer Gesamtsendung zusammenfassen lassen, sollen die Basis für ein integriertes Logistiksystem auf europäischer Ebene schaffen. Ziel ist es, Lkws deutlich besser auszulasten und Leerfahrten zu reduzieren.

„Der Kooperationsgedanke betrifft noch weitere Felder der Informationseinbindung, von der möglichst viele Teilnehmer profitieren. Etwa indem Verkehrsinformationen über die reine Transportlogistik hinaus direkt bei der Transportplanung und -durchführung einfließen, wie beim Projekt eCoMove“, berichtet Huschebeck. Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT, Information & Communication Technologies) und Intelligente Transportsysteme (ITS, Intelligent Transport Systems) können dazu beitragen, Mobilität sauberer und energieeffizienter zu gestalten. Es ergeben sich effizientere Ressourceneinsätze durch bessere Touren und damit auch CO2-Einsparungen bis zu 20 Prozent.

Containerumschlag im Hafen

Containerumschlag im Hafen

Intermodalität: durchgängige Angebote gefragt

„Ein Dauerbrenner ist die Intermodalität“, weiß Huschebeck. Die PTV befasst sich schon lange mit der Optimierung intermodaler Routen. In GET Services werden nun erstmals intermodale Routendienste mit Informationen der Portbase Platform des Hafens Rotterdam verknüpft, um so Transportdienstleistern intermodale Routendienste anbieten zu können. Ein weiterer Trend ist die sogenannte Synchromodalität, bei der Transportdienstleister die Planungshoheit in der Verkehrsträgerwahl erhalten und flexibel die Vorteile der verschiedenen Verkehrsträger nutzen können. Hierzu entwickelt die PTV einen Planungsleitstand, der eine optimale Zuweisung von Ladung zu den Verkehrsträgern zum Ziel hat.

Die Grundlage, um die Energieeffizienz intermodaler Transportketten zu bewerten, ist eine für alle Verkehrsträger harmonisierte CO2-Berechnung. Sie wird im Forschungsprojekt CoFRET (Carbon Footprint of Freight Transport) nach dem ISO-Standard 16258 erarbeitet. Huschebeck: „Da die Methode für Lieferketten innerhalb der EU und weltweit nutzbar sein soll, und das sowohl für einzelne als auch für kooperierende Unternehmen, ist sie eine wichtige Grundlage zur Entwicklung neuer CO2-armer Transportlösungen.“

Alternativen für die Citylogistik

Logistikkonzepte für den städtischen Güter- und Wirtschaftsverkehr stehen vor einem neuen Innovationsschub. „Gerade bei der Stadtlogistik, wo ohnehin kleinere Lieferfahrzeuge gefragt sind, lassen sich Elektrofahrzeuge oder ganz andere Alternativen, etwa Fahrradkuriere für Kleinstlieferungen einsetzen“, sagt Huschebeck. Gute Erfahrungen aus verschiedenen Projekten zeigen die Attraktivität dieser Belieferungsweise. Beispielsweise beim EU-Projekt CityLog, wo in Berlin, Lyon und Turin getestet wurde, Sammelbestellungen in Kleinstcontainern im Depot zu beladen und gebündelt zur weiteren Verteilung in die Innenstadt zu transportieren. Im EU-Projekt LaMiLo (für Last Mile Logistics, also das letzte Wegstück zum Kunden) liefern E-Bikes in Paris und Brüssel Expresssendungen aus – mit erstaunlicher Effizienz. In London und Karlsruhe sollen kooperative Ansätze für Stückgutverkehre getestet werden. „Unsere PTV-Planungs- und Optimierungssysteme spiele dabei eine zentrale Rolle: in der Vorplanung, der Navigation und in der Bewertung“, sagt Huschebeck. iZEUS (intelligent Zero Emission Urban System) setzt auf Elektrofahrzeuge bei der Citylogistik im südwestdeutschen Raum und untersucht die Anforderungen, die diese Fahrzeuge mitbringen müssen. Zusammen mit eFlotte und GreenNavigation, Projekte im Spitzencluster „Elektromobilität Süd-West“, werden geeignete Verfahren für die Citylogistik von morgen entwickelt.

„Alle Beispiele zeigen, dass die Planungssysteme der Zukunft nur als kooperative und vernetzte Anwendungen Erfolg versprechen“, ist Huschebeck überzeugt. Die Akteure in der Transportlogistik müssen große Aufgaben stemmen. Gemeinsam.

Erfahren Sie mehr über die Trends in der Transportlogistik in unserem White Paper „Logistik Trends„.