Mobilität in Bewegung

(V.l.n.r.): Dr.-Ing. Rainer Schwarzmann (PTV), Dr.-Ing. Thomas Schwerdtfeger (PTV), Prof. Dr.-Ing. Christoph Hupfer, (Hochschule), Prof. Dr.-Ing. Markus Stöckner (Hochschule)

(V.l.n.r.): Dr.-Ing. Rainer Schwarzmann (PTV), Dr.-Ing. Thomas Schwerdtfeger (PTV), Prof. Dr.-Ing. Christoph Hupfer, (Hochschule), Prof. Dr.-Ing. Markus Stöckner (Hochschule)

Für das Jahr 2050 hat das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI vor zwei Jahren in seiner VIVER-Studie eine Vision für nachhaltigen Verkehr in Deutschland entworfen, bei der das Auto nicht mehr die Hauptrolle spielt. Bei jungen Leuten hat das Auto schon heute als Statussymbol ausgedient. Autohersteller setzen auf zusätzliche Mobilitätsangebote. Und Chandran Nair, Gründer des Institute for Tomorrow, empfiehlt gar ein Autoverbot für Asien. Unsere Vorstellungen von Mobilität sind in Bewegung. Gut, dass es jetzt einen Studiengang gibt, in dem zum ersten Mal gezielt – also ohne den Umweg über ein Studium des Bauingenieurwesens oder der Elektrotechnik – die Verkehrsplaner von morgen ausgebildet werden.

„Wir befinden uns mitten in einem Paradigmenwechsel“, sagt auch Prof. Dr.-Ing. Christoph Hupfer, Studiendekan des neuen Bachelor-Studiengangs Verkehrssystemmanagement an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft. Seit dem Wintersemester 2012/13 können die Studierenden in sieben Semestern lernen, wie man das Zusammenspiel von Verkehrsangebot und -nachfrage optimiert. Bislang ist er bundesweit der einzige Studiengang seines Fachbereichs, dessen Profil Wissenschaftler gemeinsam mit Wirtschaftsvertretern, darunter auch die PTV Group, von Beginn an zugeschnitten haben. Entsprechend lehnt sich das Curriculum eng an die Aufgabenstellungen in Unternehmen an. „PTV-seitig unterstützen wir die Ausbildung direkt durch die Übernahme von Lehraufträgen und stellen unsere Software zur Verfügung. Im Einsatz ist die Vision Traffic Software Suite mit den Produkten PTV Visum und PTV Vissim“, so Dr.-Ing. Rainer Schwarzmann, verantwortlich für das Konzept bei der PTV Group und Bereichsleiter Geschäftsentwicklung, PTV Transport Consult GmbH.

Auf die Studieninhalte ist Hupfer stolz: „Die Studierenden erwerben hier Kenntnisse aus Verkehrswesen, Geomatik, Informatik und Wirtschaftswissenschaften.“ Als Vertiefungsrichtungen werden Verkehrstelematik, Verkehrsplanung und Öffentlicher Personennahverkehr angeboten. Gleich zu Beginn haben die Studierenden in einem Mobilitätspraktikum ihre täglichen Wege unter die Lupe genommen – und zwar unter verschiedenen Aspekten: Was wäre, wenn ich blind wäre oder im Rollstuhl unterwegs? Wenn ich die Sprache nicht verstehen würde oder einen Kinderwagen dabei hätte? Das hat sie für die Schwierigkeiten und Herausforderungen vor allem im ÖPNV sensibilisiert. Im zweiten Semester haben sie Knotenpunkte dimensioniert und berechnet und verschiedene Szenarien verglichen und präsentiert. „Die Studierenden haben sich mit den Grundlagen der Verkehrsplanung vertraut machen können und sind schon sehr weit gekommen. Bis zu ihrem Praktikumssemester haben sie dann mehr Kenntnisse, als viele angehende Verkehrsplaner nach Abschluss eines Studiums des Bauingenieurwesens“, sagt Hupfer.

Auch die Studierenden sind zufrieden mit ihrer Wahl, obwohl manche es nicht ganz einfach finden, Freunden zu erklären, was sie da eigentlich genau studieren. „Verkehrsschilder“, witzelt Iler Elshani. Jan Schillinger mag die Kombination der Studieninhalte besonders, man werde damit zu einer Art eierlegenden Wollmilchsau in diesem Bereich und habe viele Möglichkeiten. Felix Heller gefällt der Gedanke, hinterher mit seinem Studienabschluss wirklich gebraucht zu werden. Katharina Sommer arbeitet bei der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft mbH und sieht das Studium als ideale Ergänzung, auch um im Beruf weiter zu kommen. Und Simona Caruso zieht sogar einen Master in Erwägung. Dazu hätte sie die Möglichkeit, zwei Semester an der University of Waterloo, Kanada, zu verbringen und dort ihre Master Thesis einzureichen. So würde sie sowohl den Masterabschluss der Hochschule Karlsruhe als auch den der Universität von Waterloo erhalten.

Prof. Dr.-Ing. Christoph Hupfer wünscht sich, in ein paar Jahren 100 Studierende pro Semester in den Studiengang Verkehrssystemmanagement aufzunehmen. Bislang werden 30 Studienplätze pro Jahr vergeben.

Prof. Dr.-Ing. Christoph Hupfer wünscht sich, in ein paar Jahren 100 Studierende pro Semester in den Studiengang Verkehrssystemmanagement aufzunehmen. Bislang werden 30 Studienplätze pro Jahr vergeben.

Gebraucht werden die Verkehrssystemmanager auf jeden Fall, ob in Ingenieurbüros, bei Öffentlichen Nahverkehrsbetrieben, Eisenbahngesellschaften, Verkehrsberatungen, in Behörden und Verwaltungseinrichtungen, in der Softwareentwicklung oder auch in der Automobilbranche. Und der Bedarf wird weiter steigen. „Wir werden gar nicht so viele ausbilden können, wie der Markt braucht“, ist Hupfer sicher.