Fahr Rad – aber sicher

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Verkehrssicherheitsarbeit für Radfahrer, Foto: © I love Images/Corbis

Überhöhte Geschwindigkeit, Fahren unter Alkoholeinfluss, Missachten von roten Ampeln oder Zebrastreifen – Leichtsinn und mangelnde Rücksichtnahme sind die Hauptursachen für Verkehrsunfälle und reißen leider allzu häufig auch Unbeteiligte mit ins Verderben. Städte und Kommunen setzen immer mehr auf Verkehrssicherheitsarbeit im strategischen Planungsprozess. Besonderes Augenmerk erfahren dabei ungeschützte Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer. So auch in Frankfurt am Main.

Wie in vielen anderen Städten ist auch in Frankfurt der Anteil an Radfahrern stetig gestiegen. Rund 17 Prozent nimmt er heute am Modal Split ein und hat sich damit innerhalb von 15 Jahren fast verdreifacht. Die Stadt unterstützt diese Entwicklung und fördert den städtischen Radverkehr, auch um kostbare Reserven im Straßennetz für die Zukunft zu erhalten. Die Verbesserung der Verkehrssicherheit – ein wichtiges Thema. Die Schaffung eines positiven Radfahrklimas spielt dabei eine wesentliche Rolle.

Abseits technischer Überwachung

In Frankfurt helfen Kampagnen, um die Kommunikation mit den Radfahrern zu verbessern: „Wir zeigen viel Präsenz auf der Straße und kombinieren Kontrollen mit Technik-Checks“, berichtet Ingmar Bolle, persönlicher Referent des Frankfurter Verkehrsdezernenten Stefan Majer. Werden die Radfahrer angehalten, haben sie dabei die Möglichkeit, technische Defizite direkt an Ort und Stelle zu beheben. Dabei setzt das Verkehrsdezernat auf eine sympathische Ansprache und Aufklärung. „Die Erfahrung zeigt: Ein gutes Fahrradklima sorgt für ein besseres Sicherheitsbewusstsein seitens der Radfahrer, aber auch dafür, dass der Radverkehr als Verkehrsträger tatsächlich ernst genommen wird“, sagt der Diplom-Pädagoge. Inzwischen rangiert Frankfurt in den Top 10 beim Fahrradklimatest des ADFC. Dennoch gäbe es auch für die Stadt im Bereich Radverkehrsinfrastruktur noch viel zu tun.

Einen Paradigmenwechsel hat Frankfurt hier bereits vollzogen: Werden Straßen neu gebaut oder erhalten Fahrbahnen eine neue Straßendecke, werden Radfahrwege auf die Fahrbahn gelegt. „Auf diese Weise rücken wir die Radfahrer mehr ins Blickfeld der Autofahrer, anstatt sie hinter parkenden Autos entlang fahren zu lassen“, erklärt Bolle. Darüber hinaus legt die Stadt einen besonderen Fokus auf die Verbesserung bestehender Infrastruktur. „Im Radverkehr wird Fehlverhalten wie Rotlicht-Radeln oder das Fahren auf der falschen Seite oft durch Infrastrukturdefizite begünstigt – insbesondere an Knotenpunkten“, erklärt Bolle. In Frankfurt gehört beides zu den Hauptunfallursachen mit Radfahrbeteiligung.

Software verbessert Verkehrssicherheit

Um Verbesserungen zu erzielen, integriert Frankfurt die Verkehrssicherheitsarbeit in den strategischen Planungsprozess. Dabei kommt PTV Euska zum Einsatz, eine Software, die die PTV Group eigens für die gemeinsame Arbeit von Polizei und kommunalen Behörden im Rahmen der Unfallkommission in Deutschland entwickelt hat. In Frankfurt wird die Software genutzt, um Unfallhäufungsstellen und Unfallhäufungslinien zu identifizieren und analysieren. „Das sogenannte Black Spot Management hilft uns dabei, Verbesserungen an den richtigen Stellen zu erzielen“, berichtet Bolle. Denn es gibt Netzabschnitte und Knotenpunkte, die trotz augenscheinlicher Fehlplanung unfallfrei funktionieren, während an anderen Stellen Handeln dringend notwendig ist. So stellte das Verkehrsdezernat bei der Analyse der Unfalldaten beispielsweise fest, dass an bestimmten Netzabschnitten das Fahren entgegen der Fahrtrichtung Unfallursache Nummer Eins ist und pickte sich diese Stellen für gezielte Kampagnen heraus. „Dank kombinierter Kommunikations- und Kontrollmaßnahmen konnten wir die Unfallraten an diesen Netzabschnitten um 20 bis 55 Prozent senken“, sagt Bolle.

PTV Euska wurde eigens für die Arbeit von Polizei und kommunalen Behörden in Deutschland entwickelt. Das dabei gewonnene Analyse-Know-how ist inzwischen auch in ein neues Modul der Verkehrsplanungssoftware PTV Visum eingeflossen, das die PTV Group weltweit unter dem Namen PTV Visum Safety vermarktet.

PTV Euska wurde eigens für die Arbeit von Polizei und kommunalen Behörden in Deutschland entwickelt. Das dabei gewonnene Analyse-Know-how ist inzwischen auch in ein neues Modul der Verkehrsplanungssoftware PTV Visum eingeflossen, das die PTV Group weltweit unter dem Namen PTV Visum Safety vermarktet.

Aufgrund der Erkenntnisse hat das Verkehrsdezernat nun ein Lückenschlussprogramm entwickelt, das auch Aussagen und Anregungen von Bürgern mit in die sicherheitstechnische Optimierung der Verkehrsinfrastruktur aufnimmt. Dabei gilt: Einfach zu erzielende Verbesserungen werden zuerst umgesetzt, wobei Sicherheitsmängel Vorrang vor Komfortmängeln haben. „Die PTV-Software unterstützt uns bei der Evaluierung und ermöglicht es uns, alle Mängel Schritt für Schritt in einer sinnvollen Reihenfolge abzuarbeiten“, resümiert Bolle.

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