Sicher ankommen!

Die PTV Group befasst sich mit innovativen Ansätzen, die dabei helfen, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Foto: © iStock/George Clerk

Die PTV Group befasst sich mit innovativen Ansätzen, die dabei helfen, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Foto: © iStock/George Clerk

Wir sind viel unterwegs und wollen sicher ankommen. Doch Sicherheit ist keine Selbstverständlichkeit: Viele Risiken gehen von den Verkehrsteilnehmern ebenso aus wie von der Infrastruktur. Eine vorausschauende Planung und die Einbindung von Echtzeitinformationen kann die Verkehrssicherheit verbessern.

Bei der Planung und Optimierung der Infrastruktur hatte Verkehrssicherheit bislang nicht die höchste Priorität. Selbst in nachhaltigen urbanen Verkehrsprojekten, bei Initiativen zum Netzausbau von Öffentlichem Verkehr (ÖV) und Fahrradstrecken geht es bei der Evaluierung eher um Reisezeiten, Luftqualität oder Erreichbarkeit als um Sicherheit. Dabei liegt die Zahl der Verkehrstoten jährlich bei über einer Million weltweit. Diese Zahl deutlich zu senken, ist das Ziel der Vereinten Nationen, die den Zeitraum von 2011 bis 2020 zur Dekade der Verkehrssicherheit erklärt haben. Das gleiche Ziel verfolgt auch die Europäische Charta für Straßenverkehrssicherheit. Bis heute haben sich mehr als 2.300 öffentliche und private Einrichtungen, darunter auch die PTV Group, der Charta verpflichtet und Aktionen und Initiativen durchgeführt.

Jetzt ist es wichtig, klare Ziele zur Reduzierung von tödlichen Unfällen zu setzen und Daten zu sammeln, um zu überprüfen, welche Fortschritte gemacht werden. Dies empfiehlt auch EMBARQ in ihrem Bericht „Saving Lives with Sustainable Transport“. Die Organisation setzt sich weltweit für die Implementierung nachhaltiger Verkehrslösungen und die Verbesserung der Lebensqualität in Städten ein.

Nachhaltigkeit mit Folgen

In den letzten Jahren haben viele Städte in Fahrradfreundlichkeit investiert und versucht, die Menschen zum Umsteigen aufs Fahrrad oder den ÖPNV zu bewegen. So auch in London, wo die Innenstadtmaut dabei hilft, die Verkehrslast zu erleichtern. Wie eine Untersuchung von Transport for London (TfL), der Dachorganisation, die das Verkehrssystem in London koordiniert, zeigt, gingen die Unfälle mit Personenschaden besonders stark in den Zonen zurück, für die die Innenstadtmaut erhoben wurde. Das hängt unter anderem mit dem sinkenden Verkehrsaufkommen zusammen. Dabei sind nicht weniger Menschen gereist als vorher, aber die privaten und öffentlichen Fahrzeuge waren besser ausgelastet.

Wächst die Nutzung des ÖVs mit Bussen, müssen zusätzliche Spuren für sie reserviert werden. Mehr Radfahrer machen den Netzausbau der Radwege und zusätzliche Radfahrspuren auf den Straßen erforderlich. Dadurch bleibt weniger Straßenraum für Autos und Lkws. Der zunehmende Kauf über das Internet hat zur Folge, dass der Lieferverkehr in den Städten zunimmt und die Zahl der Unfälle, in die Lkw- und Fahrradfahrer verwickelt sind, steigt. Das ist auch in London zu beobachten.

Wir brauchen lebenswerte Städte, die für Bewohner und Handel gleichermaßen attraktiv sind, und natürlich Transporte zu ihrer Ver- und Entsorgung – ein Balanceakt für die Planung.

Mehrwert in Echtzeit

Die Einbindung von Echtzeitinformationen schafft ganz neue Möglichkeiten für die Planung und Optimierung. Je aktueller die Informationen sind und je mehr Informationen zur realen Verkehrssituation vorliegen, umso gezielter lässt sich Verkehr steuern und lenken. Floating Car Data (FCD), automatische Kennzeichenerfassung, Detektordaten, Unfall- oder Baustellenmeldungen – all diese Daten lassen sich mit der Software PTV Optima sammeln, abgleichen, validieren, fusionieren und zur Korrektur der Simulation verwenden. Dank des modellbasierten Ansatzes können auch Daten für Strecken im Netz vervollständigt werden, zu denen keine Detektormessungen oder FCD vorliegen. Überdies liefert die Software zuverlässige Prognosen für die kommenden 60 Minuten. Liegt ein Stau vor, kann die Verkehrsleitzentrale schnell reagieren, um die Stausituation aufzulösen und die Verkehrsteilnehmer bei ihrer sicheren Weiterfahrt zu unterstützen. Erfolgreich bewährt hat sich die Software unter anderem bereits in der Verkehrsleitzentrale von 5T im italienischen Piemont.

„Echtzeitinformationen sollten auch in die Tourenplanung und in die Navigation kommerzieller Flottenbetreiber eingebunden werden. Informationen über aktuelle Verkehrsverhältnisse verbunden mit Lenkzeitoptimierung und weiteren Lkw-spezifischen Features, die bei der Planung und Durchführung einer Tour berücksichtigt werden, machen die Transportlogistik flexibler und wettbewerbsfähiger. Fahrer, Zentrale und Kunden sind rechtzeitig über eventuelle Verspätungen informiert, auch die Belegung der Laderampen lässt sich wesentlich besser planen“, sagt Matthias Hormuth, Director Logistics Concepts & Solutions bei PTV.

Weltweit sicherer

Vor allem für die weniger geschützten Verkehrsteilnehmer, also Fußgänger und Radfahrer, gilt es, die Sicherheit durch gezielte Maßnahmen zu erhöhen. Doch dazu müssen zuerst Unfalldaten ausgewertet werden. Die PTV befasst sich seit vielen Jahren aktiv mit Verkehrssicherheit. So wird beispielsweise die elektronische Unfalltypen-Steckkarte Euska in elf Bundesländern bei der Verkehrssicherheitsarbeit der Polizei eingesetzt.

Jetzt geht PTV noch weiter – mit einem innovativen Ansatz, der Verkehrsplanung mit Verkehrssicherheitsarbeit verbindet: Mit der Software PTV Visum Safety können Verkehrsplaner Unfalldaten analysieren und die Ergebnisse bei ihrer Planung berücksichtigen, um die Verkehrssicherheit zu optimieren. Das betrifft die Makroebene mit der Sicherheitsanalyse von Straßennetzen ebenso wie die Mikroebene der Örtlichen Unfalluntersuchung. „Wir arbeiten aktiv daran, Verkehrssicherheit in die Prognosebetrachtung der strategischen Verkehrsplanung einzubinden. Dazu verfolgen wir einen international anwendbaren Ansatz mit PTV Visum Safety und stehen auch im regen Austausch mit Experten aus aller Welt“, berichtet Andre Münch, Director PTV Safety.

Safety-Grafik_Compass_kleinMehr Sicherheit durch Software

PTV-Software, wie PTV Viswalk zur Fußgängersimulation oder das Verkehrsmodell Validate, hat sich bereits in vielen Projekten bewährt. Dazu gehören Evakuierungsszenarien für Bahnhöfe, Flughäfen und Großevents ebenso wie die Beurteilung und Schutzmaßnahmen bei kritischen Tunneln und Brücken.

Bei Verkehrsplanungsprojekten in entwickelten Ländern ging es vorwiegend um die Frage, wie sich die bestehende Infrastruktur besser nutzen lässt. Immer wichtiger wird nun, wie man dabei zugleich die Sicherheit verbessern kann. So auch am Eelup Kreisverkehr an der Einfahrt von Bunbury, Australien. Täglich 40.000 Fahrzeuge müssen ihn queren, hier ereigneten sich die meisten Unfälle im ganzen Bundesstaat. Zwar handelte es sich meist um kleinere Verkehrsunfälle, doch der finanzielle Schaden belief sich jedes Jahr auf mehrere Millionen australische Dollar. Inzwischen ist der Kreisverkehr der erste signalisierte Kreisverkehr Westaustraliens. Die Staulängen und Reisezeiten verkürzten sich extrem und die Zahl der Unfälle ging signifikant zurück: von 150 Unfällen pro Jahr auf weniger als 50. Modelliert und simuliert wurde der signalisierte Kreisverkehr mit PTV Vissim.

„Durch unsere Erfahrungen aus den entwickelten Ländern, was Motorisierung und Verkehrssicherheit anbelangt, können wir auch Schwellenländern helfen, den negativen Folgen der sprunghaft steigenden Motorisierung erfolgreich entgegenzuwirken“, sagt Vincent Kobesen, CEO der PTV. Dazu engagiert sich PTV auch auf politischer Ebene und ist mit der Weltbank, der OECD, der ITDP und EMBARQ im Gespräch. Denn eins ist sicher: Verkehrsmanagement, Politik, Stadtplanung, Transportplanung und Straßenbetreiber müssen in Zukunft stärker Hand in Hand arbeiten, um die Verkehrssicherheit für alle deutlich zu erhöhen.

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