Veranstaltungssicherheit im Fokus

Auf der Fachtagung der IBIT Ende November steht die Veranstaltungssicherheit im Fokus. Im Interview spricht Dr. Tobias Kretz, PTV Group, über Aspekte der Sicherheit von Veranstaltungen.

Auf der Fachtagung der IBIT Ende November steht die Veranstaltungssicherheit im Fokus. Im Interview spricht Dr. Tobias Kretz, PTV Group, über Aspekte der Sicherheit von Veranstaltungen.

Dr. Tobias Kretz ist Produktmanager für die Fußgängersimulationssoftware PTV Viswalk bei der PTV Group und Fachmann für Fußgängerbewegungen – unter anderem als Aspekt der höheren Sicherheit bei Veranstaltungen. Auf der Fachtagung zu aktuellen Entwicklungen, neuen Erkenntnissen und zukünftigen Herausforderungen der Veranstaltungssicherheit, die die IBIT GmbH am 26. und 27. November ausrichtet, wird er einen Vortrag über „Simulation, Visualisierung, Modellierung – Möglichkeiten und Grenzen“ halten. Im Interview beantwortet er grundlegende Fragen zur Planung der Sicherheit von Veranstaltungen.

Compass: Sicher muss man für jedes Event eine neue Planung erstellen, weil die Gegebenheiten der Veranstaltungsorte, die Wege dorthin oder auch die erwarteten Besucherzahlen von Fall zu Fall variieren. Gibt es dennoch gewisse Gemeinsamkeiten, die bei der Planung immer wieder relevant sind?

Dr. Tobias Kretz: Ja, es ist an ganz vielen Stellen die Frage, die allgemein formuliert, sehr ökonomisch klingt: Reicht das Angebot für die Nachfrage? Das betrifft Essen und Getränke, Toiletten wie auch Sanitäter. Es betrifft aber auch Fragen der Bewegung der Besucher: Reichen die Sicherheitsschleusen in allen Phasen für die ankommenden Besucher? Und genügt der verfügbare Platz zu allen Zeiten – zum einen zum Aufenthalt, zum anderen für die sich bewegenden Ströme?

Compass: Gibt es Großveranstaltungen, bei denen man ganz besondere Sicherheitsaspekte berücksichtigen muss oder solche, die weniger Risiken mit sich bringen?

Dr. Tobias Kretz: Da gibt es mehrere Dimensionen. Erstens kann man davon ausgehen, dass das Risiko geringer ist, wenn die Veranstaltung an einem als solchen konzipierten Veranstaltungsort stattfindet. Zweitens haben Veranstaltungen mit freiem Zugang das zusätzliche Fragezeichen, wie viele Besucher teilnehmen werden. Jedes Fragezeichen erhöht potenziell das Risiko. Drittens haben Veranstaltungen unter freiem Himmel das zusätzliche Wetterrisiko, dafür stellt ein möglicher Brand in der Regel eine geringere Bedrohung dar. Viertens spielt die Zusammensetzung der Besucher eine große Rolle. Es ist aus diversen Untersuchungen bekannt, dass im Teenager- und jungen Erwachsenenalter die Fähigkeit, Gefahren zu erkennen, auf einem Minimum ist. Sie ist dann sogar geringer als bei Kindern um die acht Jahre. Gleichzeitig und wohl auch dadurch bedingt ist die Bereitschaft, Risiken einzugehen, erhöht. Fünftens, aber keinesfalls zuletzt ist die Erfahrung des Veranstalters mit der konkreten Veranstaltung bedeutsam für das Risikoniveau.

Compass: Du bist für die PTV im Projekt BaSiGo – Bausteine für die Sicherheit von Großveranstaltungen aktiv. Welcher Baustein gehört für dich zum Fundament?

Dr. Tobias Kretz: Es ist schwer zu sagen, was fundamental ist, da die Elemente ineinander greifen. Sie sind sozusagen wechselseitig Fundament füreinander. Ich wirke in der Erstellung eines einwöchigen Schulungskurses mit und trage hier den Teil über Simulationen bei. „Veranstalter“ ist als Berufsbezeichnung in Deutschland nicht geschützt. Im Prinzip ist überhaupt keine Ausbildung nötig. An den Hochschulen und an privaten Einrichtungen gibt es zwar Studien- und Lehrgänge, BaSiGo ist aber meines Wissens nach der erste Anlauf alle relevanten Aspekte in einem Kurs zu vereinen.

PTV Vissim und Viswalk eignen sich zur Analyse und Lenkung von Besucherströmen sowie zur Fluchtwegesimulation.

PTV Vissim und Viswalk eignen sich zur Analyse und Lenkung von Besucherströmen sowie zur Fluchtwegesimulation.

Fachtagung für Verantwortliche rund um Veranstaltungen

Zu der Fachtagung in Bonn werden deutsche und internationale Experten aus Wissenschaft und Praxis erwartet. Auf der Agenda stehen in Vorträgen, Workshops und Diskussionsrunden Themen wie Verkehrsplanung von Großveranstaltungen, psychologische Aspekte der Entfluchtung und Notfall- und Szenarienplanung.

Die IBIT hat sich die Professionalisierung und Standardisierung von Publikums- und Veranstaltungssicherheit zum Ziel gesetzt. Dazu passen die Softwarelösungen der PTV, wie PTV Vissim und Viswalk, die bereits vielfach bei Großevents zur Besuchsstromanalyse und -lenkung sowie zur Fluchtwegesimulation eingesetzt wurden, ideal.

Andreas Schomborg, Projektleiter Traffic Engineering bei der Transport Consult GmbH, einem Unternehmen der PTV Group.

Andreas Schomborg, Projektleiter Traffic Engineering bei der Transport Consult GmbH, einem Unternehmen der PTV Group.

„Ein Verkehrskonzept ist aus unserer Sicht ein integraler Bestandteil bei der Planung und Durchführung einer sicheren Großveranstaltung“, sagt Andreas Schomborg, Projektleiter Traffic Engineering bei der Transport Consult GmbH, einem Unternehmen der PTV Group. Er hält am 26. November um 11.30 Uhr gemeinsam mit Ralf Zimme, Düsseldorf Congress Sport & Event einen Vortrag mit dem Titel „Verkehrsplanung für Großveranstaltungen, ein Praxisbeispiel“. Der Vortrag von Dr. Tobias Kretz findet am gleichen Tag um 15.30 Uhr statt.

Das Programm der Fachtagung finden Sie hier.

 

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