Digitale Urgewalt in der Logistik?

Data Driven Intelligence, Digitalisierung der Arbeitswelt, Usability, Vielfalt im Logistiksektor, Vernetzung, Konnektivität und Cloud: PTV Group spannt den Bogen rund um den ersehnten und gefürchteten Einfluss der Digitalisierung auf die Welt der Logistik.

Gefürchtet und ersehnt: Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf die Welt der Logistik?

Data Driven Intelligence, Digitalisierung der Arbeitswelt, Usability, Vielfalt im Logistiksektor, Vernetzung, Konnektivität und Cloud: PTV Group spannt den Bogen rund um den ersehnten wie gefürchteten Einfluss der Digitalisierung auf die Welt der Logistik.

Die Zeiten, in denen wir ehrfurchtsvoll den Wechsel von der analogen Fotografie zur digitalen Kamera verfolgten, entlocken uns heute nur noch ein müdes Lächeln. Und dennoch erstarrt manch kluger Unternehmenskopf in Ehrfurcht und Sorge vor dem großen Schlagwort unserer Tage: der Digitalisierung. Wir sind umgeben von Datenflüssen, die es zu strukturieren und sinnvoll zu nutzen gilt, digitale Daten halten Einzug in jeden Bereich – so auch in den Logistiksektor: Historische Abläufe weichen Hybrid-Lösungen, die über die Cloud abgerufen werden. Echtzeit-Informationen sind wichtige Faktoren, Vernetzung ist es ebenfalls. Mobilität, Transport und Zulauf bekommen einen neuen – digitalen und analytischen – Charakter.

Data Driven Intelligence

„Intelligenz, die auf Daten basiert“, so die Übersetzung aus dem Englischen, ist ein Ausdruck dessen, welche Ausmaße die Digitalisierung auf unser privates Leben wie auch auf die Arbeitswelt hat. Rund sechzig Prozent der deutschen Bevölkerung verfügt über ein Smartphone – Tendenz steigend. Dabei aktivieren die Nutzer ihr internetfähiges Handy pro Tag etwa 60 bis 80 mal. Fleißig werden Daten gesammelt, ausgetauscht und produziert – oft ohne über den Datenschutz nachzudenken. Das Smartphone rückt in den Mittelpunkt des Lebens, teilweise entstehen alarmierende Nebenwirkungen: Die digitale Ablenkung führt nicht selten zur lebensbedrohlichen Gefahr. So achten surfende Aufsichtspersonen auf Spielplätzen nicht mehr ausreichend auf ihre Sprösslinge. Und der 53. Deutsche Verkehrsgerichtstag verzeichnete im Januar 2015 eine signifikant erhöhte Unfallgefahr durch jede Art von Anwendung des Smartphones während der Fahrt – Freisprecheinrichtungen nicht ausgenommen. Auf der anderen Seite spricht Stefan Girschner, Redakteur der digitalbusiness (8-9/2015), vom „…Land der unbegrenzten Möglichkeiten 4.0“. Das Handelsblatt prognostiziert in seinen „Big Data Trends 2016“ (online veröffentlicht am 29.12.2015) eine Verschmelzung der Interaktionskanäle: Kunden und Anwender bewegen sich wechselseitig online wie offline. Ein kanalisierter, fokussierter und vernünftiger Umgang mit der digitalen Welt ist gefragt. Die vernetzte Interaktion – möglichst in Echtzeit – wird immer bedeutender, gerade im Logistiksektor.

Digitalisierung der Arbeitswelt

Die Digitalisierungsflut führt auch zu deutlichen Umwälzungen in der logistischen Arbeitswelt. Ulrike Grünrock-Kern sieht in ihren Artikel für den ‚Logistik express‘ jeden zweiten Arbeitsplatz im Wandel (29.10.2015). Als Basis dient die Online-Befragung der BVL zur Digitalisierung am Arbeitsplatz vom Sommer 2015 an ihre Mitglieder. Demnach sind etwa die Hälfte der Arbeitsplätze in Supply Chain Management und Logistik vom Wandel durch die Digitalisierung betroffen. Nur 17 Prozent der Befragten gehen jedoch von einer Gefährdung des Arbeitsplatzes aus. 94 Prozent bewerten die Digitalisierung insgesamt als Chance. Eine große Herausforderung sehen die Vertreter des Wirtschaftsbereichs Logistik jedoch in der schnellen und ausreichenden Qualifizierung der Arbeitskräfte. „Wenn die Digitalkompetenz fehlt, ist das Überleben des Unternehmens bedroht“, so Jesko Perrey, weltweiter Leiter der Marketing & Sales Practice von McKinsey. Dabei messen laut cpwissen mehr als 90 Prozent der Markenunternehmen in Deutschland der Digitalisierung eine strategische Bedeutung bei.

Gesucht: Usability

Nach einer Umfrage von Bitkom Research erachten bereits 29 Prozent der Unternehmen die Einführung völlig neuer Ausbildungsberufe als notwendig. Mehr als Dreiviertel der Befragten fordern, der Einsatz digitaler Technologien müsse eine inhaltliche Anpassung der bestehenden Ausbildungsberufe nach sich ziehen. (Newsletter 05.11.15: Redaktion AUTOCAD & Inventor Magazin). Der BMÖ rechnet dabei fest damit, dass qualitativ weit höherwertige Jobs entstehen.

Softwarehersteller haben dies bereits erkannt: Die Usability der Lösungen steht im Fokus, so dass Anwender die Programme intuitiv bedienen können. Ein notwendiges Schmankerl, gerade bei komplexen Systemen; so verfügt zum Beispiel das Tourenplanungstool PTV Smartour über eine leicht erfassbare und bedienbare Oberfläche, die Ausbildungs- und Einarbeitungszeiten minimiert.

Schnelle und sichere Vielfalt im Logistiksektor

Die neue Vielfalt der Anwendungen und Lösungen ist es, die begeistert: Die Verfasser der Medientexte zur CeBIT 2015 sprachen von einer „Digitalen Transformation“ und gaben dem Thema mit „d!conomy“ eine neue Wortkreation. Dorothee Bär lieferte auf der transport logistic 2015 als Key-Note-Sprecherin im Rahmen des Forums „Intelligente Welt“ ein passendes logistisches Beispiel gleich mit: Die Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur sieht in den Lkw-Fahrern die „Logistik-Manager der Zukunft“, die ihre Ware anhand moderner digitaler Lösungen ans Ziel bringen. In saisonbedingten Produktionsbereichen ermöglicht ein Wettermonitoring die bedarfsgerechte Erstellung von Skiern. Komplizierte Ersatzteile lassen sich heute per 3D-Drucker beim Produzenten in kurzer Zeit anfordern und produzieren.

Die Same Day Delivery, die Paketzustellung innerhalb eines Tages oder eines fixen Zeitfensters, basiert auf dem schnellen Datenfluss ‚Bestellen-Versandfertigmachen-Zustellen‘. Saturn und Media Markt beispielsweise bieten dies bereits in 80 Prozent des Bundesgebiets an. Eine logistische Meisterleistung, die beide Elektrofachhändler rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft 2015 an Presse streuten. Amazon treibt es in Europa auf die Spitze – und kam den beiden Unternehmen ein paar Tage zuvor: Das Online-Versand-Unternehmen offerierte seinen Prime-Kunden in vierzehn deutschen Metropolregionen die Gratis-Same-Day-Lieferung. Vorzugskunden in London kommen sogar in den Genuss der ‚One-Hour Delivery‘, also der Lieferung bestellter Waren innerhalb einer Stunde. Der Kunde profitiert; der Bedarf an systemübergreifenden Realtime-Lösungen steigt.

Was dem Wohl dient, sorgt auch für Sicherheit: Kombiniert man Fahrerassistenzsysteme mit exakten Daten aus Navigationssystemen, kann ein System zum Beispiel ortsbezogene Warnungen vor engen Kurven bei hoher Geschwindigkeit anstoßen. Ein hybrides System rettet damit Leben.

Vernetzung und Konnektivität

Kein Zweifel: Die Digitalisierung formt und verändert den logistischen Sektor weltweit. Wo die Einsatzmöglichkeiten für Datensysteme so vielfältig sind, fällt der Fokus auf wichtige Voraussetzungen: Vernetzung und Konnektivität. Ulrich Rehfueß, Head of Spectrum Policy bei Nokia Networks, sprach im Forum der transport logistik 2015 von etwa 100 Milliarden vernetzten Geräten in naher Zukunft. Schon entwickeln Forscher noch leistungsfähigere Netze für mobile Anwendungen: Die erste Applikation des neuen LTE-Netzes 5G soll neben einer 100-mal höheren Datenrate und einer rund 1000-fach höheren Kapazität auch einen 90 Prozent geringeren Stromverbrauch je Mobildienst aufweisen; die erste Applikation ist laut Rehfueß in drei bis fünf Jahren zu erwarten. Damit verbessert sich auch die Qualität der Konnektivität, also der Netzwerkverbindungen, rasant.

Cloud – unsichtbare Wolke für offene Logistiklösungen

Wo fließen nun die digitalen Daten zusammen? Die Geburtsstunde der Digitalisierung war auch die Stunde null der Cloud; die metaphorische Wolke bietet IT-Infrastrukturen dynamisch und bedarfsgerecht per Netzwerk an. Gerade im Logistiksektor ermöglicht sie Kunden wie Anbietern völlig neue Flexibilität. In sich geschlossene Lösungen sind dennoch offen und zugänglich für unterschiedlichste Anforderungen; u. a. weil man sie nicht lokal installieren muss. So kann im Beispiel von PTV Drive&Arrive jeder Beteiligte der Transportkette während des gesamten Transportes die voraussichtliche Ankunftszeit der Ware abfragen – und das über heterogene Systeme hinweg. Komplexe Algorithmen kombinieren dafür relevante Transportdaten mit Verkehrsinformationen; die Fäden laufen zusammen für Lieferangaben in Echtzeit.

Visual_DriveAndArrie_Dashboard_MitLogoFür ein dynamisches Transport Management wurde der Cloud-basierte Dienst um die Funktion des Arrival Boards erweitert: Empfänger sehen auf einen Blick alle prognostizierten Ankunftszeiten ihrer Lieferungen. Sie sind dadurch in der Lage, den Zulauf zu den Abladestellen dynamisch zu steuern. Es entsteht quasi nur eine einzige Warteschlange, die man sukzessive abfertigen kann. Auch an dieser Stelle bewährt sich eine durchdachte Usability für intuitives Handling – so umgesetzt beim Arrival Board.

Fühlbare Vorteile und neue Qualitätsmaßstäbe

Insgesamt wird die Zusammenarbeit aller Transportbeteiligten besser, die Prozesse werden effizienter, Lieferangaben geraten exakt, Transporte pünktlich. Positive Effekte vor, während und nach dem Transport. Schließlich lassen sich Ressourcen und Kosten auf der Straße und an der Rampe einsparen. Dies verbessert die Pünktlichkeit und reduziert Beschwerden sowie Diskussionen über Standgelder.Standgelder Standgelder wie in er Standgelder wie in ese

Der große Vorteil der Digitalisierung: Nicht nur die Prozesse werden konnektiver und schneller; der Kunde kann von diesem technischen Fortschritt direkt profitieren. Daher überzeugen bei der Transportplanung in urbanen Gebieten oder bei der dynamischen Zulaufsteuerung Lösungen, die für ein neues Maß an Qualität und Pünktlichkeit stehen; ein Beispiel dafür ist die Kombination aus PTV Smartour und PTV Drive&Arrive.

Gewaltig aber keine Urgewalt

Der Vorstandsvorsitzende der BVL, Prof. Raimund Klinkner, betonte zur Eröffnung des Deutschen Logistik-Kongresses im Oktober 2015: „Für die digitale Transformation brauchen wir eine umfassende Veränderung: die durchgehende Vernetzung aller Wirtschaftsbereiche. Starre Wertschöpfungsketten werden zu dynamischen Netzwerken. Schlüsselfaktoren dafür sind begeisterte Menschen, hinreichend digitale Daten zur verbesserten Vorhersage und gezielteren Prozesssteuerung, synchronisierte Lieferketten, verkürzte Produktions- und Innovationszyklen“ (28.10.2015). Andreas Müller, leitender Redakteur AUTOCAD & Inventor Magazin, regt in seinem Newsletter an, den Unternehmergeist zu fördern. Die Digitalisierung sollte nicht nur aus der Perspektive derjenigen gesehen werden, die sich sowieso damit arrangieren müssen.

Die Verbindung aller Schlüsselfaktoren führt schon heute zu neuen, vernetzten und leistungsfähigeren Lösungen als je zuvor. Die Digitalisierung – gefürchtet und ersehnt – beeinflusst den Logistiksektor in allen Aspekten. Gewaltig ist sie, kein Zweifel, in erster Linie in den oft noch ungeahnten Möglichkeiten. Aber nicht gefürchtet. Moderne Softwarelösungen insbesondere in der Logistik lassen bereits deutlich Zukunftsmusik durchklingen.
Wir sind angekommen in der digitalisierten Logistik.