Gut zu Fuß

Verkehrsuntersuchungen mit Fokus auf Fußgängerströmen haben in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. (Photo: Mr Hayata)

Verkehrsuntersuchungen mit Fokus auf Fußgängerströmen haben in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Foto: Mr Hayata

Die Untersuchung von Fußgängerströmen gehört zu den Themen, die zunehmend an Bedeutung gewinnen. Wieso ist das so und wie laufen diese Untersuchungen ab? Wir haben unsere Experten Andreas Schomborg, Projektleiter Pedestrian Modeling, und Gunnar Liehr, Leiter des Projektbüros München der Transport Consult GmbH, zum Thema befragt.

Compass: Woran liegt es, dass Verkehrsuntersuchungen mit Fokus auf Fußgängerströmen in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen haben?

Andreas Schomborg: Der große Unterschied zwischen fahrzeug- und fußgängerstrombezogenen Untersuchungen liegt darin, dass es im Fall von Fehlplanungen im Fahrzeugverkehr „nur“ zu massiven Rückstaus und hohen Zeitverlusten kommen kann. Im Fall der Fußgängerströme spielen Zeitverluste eine untergeordnete Rolle. Viel bedeutsamer sind Sicherheitsprobleme bei Fehlplanungen. Gerade durch Schadensereignisse und Abwicklungsprobleme bei größeren Menschenansammlungen wird das Thema inzwischen sensibler betrachtet und rückt mehr und mehr auch in den Fokus der Öffentlichkeit. Gleichzeitig hat die technische Weiterentwicklung von Fußgängersimulationsprogrammen wie PTV VISWALK dazu geführt, dass immer komplexere Fußgängerströme per Simulation nachgebildet und somit die Planungssicherheit deutlich erhöht werden kann. Hinzu kommt, dass in großen Städten mit wachsenden Einwohnzahlen Bahnhöfe oder Flughäfen immer stärker ausgelastet werden und insbesondere für Fußgängerströme in und außerhalb der Gebäude Optimierungsbedarfe bestehen.

Andreas Schomburg, Projektleiter Pedestrian Modeling der Transport Consult GmbH

Andreas Schomburg, Projektleiter Pedestrian Modeling der Transport Consult GmbH.

Compass: Welche Projekte haben Sie in diesem Bereich bisher durchgeführt?

Andreas Schomborg: Wir haben bereits einige Bahnhöfe in Berlin, Stuttgart und München im „Normalbetrieb“ untersucht. Hier ging es meist darum, größere Umbaupläne vorab zu bewerten. Anschließend haben wir unterschiedliche Bauzustände bewertet. Zuletzt haben wir in Hamburg und München auch Bahnhöfe im Eventfall betrachtet. Wir haben bestehende Crowd-Management-Konzepte bewertet und optimiert. In diesen Fällen ist es besonders wichtig, sich nicht nur auf die theoretischen Ergebnisse aus den Simulationen zu verlassen, sondern Konzepte mit den Bahnhofsbetreibern und Sicherheitsakteuren vor Ort abzustimmen und umzusetzen. Hier kann eine Simulation die jahrzehntelange Erfahrung der lokalen Akteure sinnvoll ergänzen und für eine größere Planungssicherheit sorgen. Darüber hinaus kommen immer mehr Veranstalter von Großevents auf uns zu und fragen nach Simulationen für den An- und Abreiseverkehr oder die Evakuierung ihrer Veranstaltungsflächen.

Compass: Wie werden Verkehrserhebungen für Fußgängerzählung und -befragung organisiert und umgesetzt?

Gunnar Liehr, , Leiter des Projektbüros München der Transport Consult GmbH

Gunnar Liehr, , Leiter des Projektbüros München der Transport Consult GmbH.

Gunnar Liehr: Das Ergebnis einer Planung ist immer so gut wie die Daten einer Feldarbeit. Maßgeblich für die Umsetzung der Datenerfassung sind die Anforderungen und die Bedürfnisse unserer Kunden. Wir setzen sowohl Erhebungspersonal als auch Videotechnik ein. Die Zählungen und Befragungen durch das Erhebungspersonal werden durch den Einsatz spezieller Apps unterstützt. Hierdurch können auch komplexe Aufgabenstellung realisiert werden. Videotechnik wird insbesondere bei personalintensiven oder langfristigen Erhebungen eingesetzt. Das bietet mehrere Vorteile: minimaler Personalaufwand sowie Nachvollziehbarkeit und Reproduzierbarkeit der Daten. Für die Durchführung der Feldarbeit verfügt die PTV bundesweit über Erhebungspersonal und hat bereits Zählungen und Befragungen jeglicher Größenordnung durchgeführt.

Compass: Welche weiteren Vorteile können Sie Ihren Kunden bieten?

Gunnar Liehr: Neben der Möglichkeit, in PTV VISWALK auch multimodale Verkehre abbilden zu können, ist es insbesondere die Option, in der PTV GROUP mit Erhebungen, Consulting und Software alle Leistungen aus einer Hand zu bekommen. Der Kunde erhält optimierte und abgestimmte Lösungen unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.  Nicht zuletzt kann die PTV in diesem noch jungen Arbeitsfeld bereits  auf zahlreiche, erfolgreich abgeschlossen Projekte zurückblicken. Am Ende geht es immer darum, dass wir dazu beitragen, dass die Menschen nicht nur gut, sondern vor allem sicher zu Fuß sind.