PTV unterstützt neues Testfeld für automatisiertes Fahren

2016-04-20-cocar_web

Testfeld automatisiertes Fahren (Foto: FZI)

Das Verkehrsministerium in Baden-Württemberg hat entschieden: Das Testfeld zum vernetzten und automatisierten Fahren wird in Karlsruhe aufgebaut. Der Zuschlag für das Projekt hat Signalwirkung für die Region. Die PTV Group freut sich gemeinsam mit dem federführenden FZI Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie und wird das spannende Mobilitätsprojekt aktiv unterstützen.

Dazu haben wir unseren CEO Vincent Kobesen und unseren Automotive-Experten Thomas Benz um ihre Einschätzung gebeten:

Compass: Welche Auswirkungen hat diese Entscheidung für die Region Karlsruhe?

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Vincent Kobesen, CEO der PTV Group, unterstützt die Stadt Karlsruhe beim Testfeld Automatisiertes Fahren.

Vincent Kobesen: Dieses neue Testfeld ist ein Meilenstein für die Mobilitätsgeschichte von Karlsruhe. Es ist großartig, dass sich unsere Heimatstadt gegen den starken Wettbewerb aus Stuttgart und Ulm durchsetzen konnte. Ich bin sicher, dass die Erkenntnisse aus diesem Projekt national und auch international ein großes Plus an Aufmerksamkeit für unsere Technologieregion erzielen werden – und vor allem das Thema autonomes Fahren voranbringen.

Compass: Welche Chancen ergeben sich dadurch für ansässige Wirtschaftsunternehmen?

Vincent Kobesen: Das ist eine Top-Chance für alle ansässigen Unternehmen. Wir können damit deutlich sichtbarer machen, wie gut wir für diese spannende Aufgabe bereits gerüstet sind und welche tollen Kompetenzen zum Thema Mobilität hier existieren. Gleichzeitig können wir damit Karlsruhe auf dem Weg als Vorzeigestadt für eine Smart City – für die innovative Mobilitätskonzepte unabdingbar sind – aktiv unterstützen. Daher werden wir uns aktiv mit eigenem Invest für den Aufbau des Verkehrsmodells in das Projekt einbringen.

Compass: Welche Erfahrungen bringt PTV im Thema autonomes Fahren mit?

Vincent Kobesen: Die PTV begleitet seit Jahren die Entwicklungen in Richtung autonomes Fahren. In Forschungsprojekten kooperieren wir mit den Akteuren in diesem Feld. Wir bringen unsere verkehrliche Expertise ein und adaptieren dafür unsere Produkte. Unsere Software unterstützt dabei Entwicklungsprozesse und ermittelt den Nutzen solcher Systeme.

Compass: Thomas, wie wird PTV mit den beteiligten Projektpartnern im Testfeld konkret zusammenarbeiten?

Thomas Benz

Thomas Benz, Solution Director Automotive bei PTV, erläutert wie virtuelle Tests und Verkehrsmodelle dabei helfen, die Auswirkungen vom automatisierten Fahren weiter zu erforschen.

Thomas Benz: Wir werden Verkehrsmodelle vom Testfeld erstellen und sie den Partnern zur Verfügung stellen. Die Modelle können dabei in verschiedenen Detaillierungsstufen entwickelt werden. Und sie werden die benötigten technischen Installationen, wie Kommunikationseinrichtungen, beinhalten. Sie können dann auch benutzt werden, um beispielsweise später weitergehende Ausbaustufen zu definieren und Fragen zu beantworten wie „Wo brauchen wir zusätzliche Funkeinrichtungen?“.

Compass: Welche Fragestellungen können in diesem Themenfeld mit Hilfe der PTV beantwortet werden?

Thomas Benz: Zuallererst natürlich „Was bringt’s?“. Also welche Auswirkungen auf Verkehrsablauf, Emissionen etc. hat ein bestimmter Anteil von automatisierten Fahrzeugen am Gesamtverkehr. Das ist eine klassische Fragestellung, die man mit solchen Modellen klärt. Das geht dann noch weiter wie beispielsweise „Wie viele automatisierte Fahrzeuge brauchen wir für welchen Nutzen?“ oder auch „Was bringen solche Fahrzeuge in einer anderen Stadt?“ Aber auch die Fahrzeugentwicklung wird unterstützt: mit realistischen Modellen einer Stadt können die technischen Anforderungen vorab schon geklärt werden, bevor ein autonom fahrendes Auto in der Realität fährt. Ein konkrete Fragestellung hier in Karlsruhe könnte lauten: „Welche Funkreichweite brauche ich auf der Konrad-Adenauer-Allee zur nächsten Ampel?“

Compass: Wie wollen wir Erfahrungen aus diesem Projekt mit unserem internationalen Netzwerk an Verkehrsexperten weiter teilen?

Thomas Benz: Know-how-Transfer ist wichtig. Wir sind daher mit anderen, auch internationalen Testfeldern, die jeweils anders aufgestellt sind, in Kontakt. Da sind die Erfahrungen aus Karlsruhe eine Ergänzung zu den jeweiligen dortigen Erkenntnissen. So lassen sich Gemeinsamkeiten, aber auch regionale Unterschiede herausfinden.

Compass: Was werden die nächsten Schritte für PTV sein?

Thomas Benz: Wir werden zunächst mit den Partnern vor Ort die genauen Definitionen, also die technischen Spezifikationen, absprechen. Nur so können wir Modelle bauen, die dann der Realität entsprechen. Basis wird das vorhandene Verkehrsmodell sein, das PTV bereits in der Vergangenheit für die Stadt Karlsruhe entwickelt hat. Dies gilt es zuerst mit allen neuen Elementen zu aktualisieren. Der Aufbau der Modelle, stellt in diesem Umfang – nicht nur vom Netz selbst her, sondern eben auch in der Komplexität der Modelle – ein Novum dar: mikroskopisch, mesoskopisch, makroskopisch und alle deckungsgleich.

Compass: Was ist die größte Herausforderung dabei und was die größte Chance?

Thomas Benz: Der Zeitplan ist natürlich recht ambitioniert: Die Modelle sollen ja nicht erst am Ende des technischen Aufbaus fertig sein, sondern möglichst früh zur Verfügung stehen. Dann können sie schon für virtuelle Test von den verschiedenen Partnern eingesetzt werden –  noch bevor alle Installationen draußen fertig sind. Die größte Chance ist schwierig zu benennen: Nicht weil es keine gäbe, sondern weil es so viele Chancen gibt. Wahrscheinlich sind es die verschiedenen Detaillierungsgrade der Modelle zusammen mit dem Einsatz für die neuartigen „Bewegungsmuster“ der automatisierten Fahrzeuge.