Ein weiter Blick in die Zukunft der Smart City

Wie wird sich der Stadtverkehr von 2045 bis 2065 entwickeln? Mit dieser Frage befasst sich die PTV Group im Rahmen des BBSR-Forschungsprojekts „Smart Cities – Stadtverkehr für übermorgen“. Foto: Fotolia/eyetronic

Wie wird sich der Stadtverkehr von 2045 bis 2065 entwickeln? Mit dieser Frage befasst sich die PTV Group im Rahmen des BBSR-Forschungsprojekts „Smart Cities – Stadtverkehr für übermorgen“. Foto: Fotolia/eyetronic

Die Vision einer Smart City, einer effizienten, fortschrittlichen, umweltbewussten, sozial inklusiven Stadt betrifft verschiedene Bereiche, natürlich auch die Mobilität. Und die ist gerade in urbanen Räumen mit vielen neuen Entwicklungen verbunden: Sharing-Angebote von Autos oder Fahrrädern ergänzen den Verkehrsmittelmix, Elektromobilität gewinnt an Attraktivität, Fahrzeuge tauschen Daten mit der Infrastruktur aus für eine verbesserte Verkehrsführung und eines Tages werden auch autonome Fahrzeuge zum Straßenbild gehören. Vor allem die zunehmende digitale Vernetzung wird die Mobilität maßgeblich beeinflussen. Das deutsche Forschungsprojekt „Smart Cities – Stadtverkehr für übermorgen“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) befasst sich mit Aspekten der Smart Mobility sowie der Stadtgestaltung und des Designs – für einen Zeithorizont von 2045 bis 2065. Im Interview berichtet Tanja Schäfer, Senior Project Manager Sustainable Transport bei PTV, über das Projekt.

Compass: Den Stadtverkehr von 2045 bis 2065 schon heute zu untersuchen, das hat schon etwas vom Blick in die Kristallkugel. Auf jeden Fall aber von Zukunftsforschung. Wie geht man da vor? Werden auch hier zunächst mögliche Varianten der Zukunft identifiziert und dann die wahrscheinlichen abgeleitet? Was dient als Basis der Untersuchung?

Tanja Schäfer: Die Zukunftsforschung befasst sich üblicherweise mit den „möglichen Zukünften“ in einem Zeitraum von 10 bis 25 Jahren – da gehen wir mit unserer Studie noch mal ein paar Schritte weiter auf der Zeitachse voraus. Und das ist auch die Herausforderung an diesem Projekt, schließlich wollen wir als Ergebnis Empfehlungen für Städte und Kommunen ableiten, die ihnen dabei helfen, mit Handlungsspielräumen der möglichen Zukünfte proaktiv umzugehen. Wobei die Bandbreite hier von „den Markt sich selbst überlassen“ bis zu „selbst regulieren“ reichen kann. Wir beziehen uns dabei vor allem auf den Personenverkehr – sowohl individuell als auch kollektiv, motorisiert und nicht-motorisiert und die damit verbundenen möglichen Auswirkungen auf den öffentlichen Raum und die sich daraus ergebenden Gestaltungsmöglichkeiten. Diese Bandbreite können wir abdecken, weil unser Projektteam interdisziplinär aufgestellt ist.

Dazu haben wir zunächst in der Forschungslandschaft recherchiert, Basis für unser Vorgehen sind nationale und internationale Forschungsprojekte und Studien. Wir konzentrieren uns auf Entwicklungen, die aus heutiger Sicht vorstellbar sind und sich durch Referenzbeispiele veranschaulichen lassen. Wir werden also nicht unendlich viele Möglichkeiten oder Trends bzw. Worst-case- und Best-case-Szenarien entwerfen. Es geht uns vielmehr darum, verschiedene überspitzt gezeichnete „Idealtypen“ für Deutschland zu entwickeln, die auf bestimmte Schlüsselfaktoren fokussieren. Diese „Idealtypen“ wollen wir genauer untersuchen und bewerten und für sie auch die Empfehlungen ableiten.

Compass: Wie weit weg bewegt man sich dabei von heute bereits existierenden Gegebenheiten, sei es durch Verkehrsmittel oder infrastrukturell?

Tanja Schäfer, Senior Project Manager Sustainable Transport bei PTV, leitet von PTV-Seite das Forschungsprojekt.

Tanja Schäfer, Senior Project Manager Sustainable Transport bei PTV, leitet von PTV-Seite das Forschungsprojekt.

Tanja Schäfer: Wir gehen nicht davon aus, dass beispielsweise das Beamen zu typischen Fortbewegungsart gehören wird. Wir erwarten eher eine Verbesserung des Bestehenden, schon weil dessen Optimierung wahrscheinlicher und weniger kostenintensiv ist, als komplett neue Systeme hochzuziehen. Dabei betrachten wir von PTV-Seite für diese Studie vor allem den Individual- und den öffentlichen Verkehr. Denkbar ist auch, dass beispielsweise Geschäftsreisen in der Zukunft überflüssig werden, weil Besprechungen nur virtuell abgehalten werden, etwa mit Videokonferenzen übers Internet. Öffentliche Verkehrsmittel könnten in noch viel stärkerem Maß automatisiert werden, wie es ja heute schon in manchen Ländern bei Bussen oder Bahnen ohne Fahrpersonal Realität ist.

Compass: Kommen dir dabei die bisherigen Erfahrungen der PTV aus Projekten und Software-Entwicklungen zu Bereichen der Smart Mobility, wie Echtzeit-Verkehrsmanagement oder autonomes Fahren, zugute?

Tanja Schäfer: Auf jeden Fall prädestinieren die vielen Projekte die PTV für solche zukunftsweisenden Studien. Und auch für unser Beratungsangebot und unsere Softwareprodukte sind derartige Projekte spannend: Wir sehen, wohin die Trends gehen und was wir daraus für die Weiterentwicklung unserer Produkte ableiten können.

Smart Cities – Stadtverkehr für übermorgen
Auftraggeber: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)
Projektpartner:
plan-werkStadt, büro für Stadtplanung und Beratung (Projektleitung)
PTV AG
Projektbüro Friedrich von Borries
Start: Januar 2016
Laufzeit: 18 Monate