Alles im Fluss: Erfurt nutzt Echtzeitprognosen für städtisches Verkehrsmanagementsystem

Mithilfe von Verkehrsprognosen in Echtzeit gelingt es der Stadt Erfurt nachweislich Umweltbelastungen zu minimieren.

Die thüringische Landeshauptstadt erweitert ihr Verkehrsmanagementsystem um die PTV-Software Optima. Das Ziel: Intelligentes Mobilitätsmanagement soll den Verkehrsfluss in der eng bebauten Innenstadt optimieren und Umweltbelastungen nachweislich minimieren.

Jedes Jahr lockt der mittelalterliche Stadtkern Erfurts mehr als eine Million Besucher an. Während das Stadtbild und der Einzelhandel vor Ort von dieser Entwicklung profitieren, stellt der gestiegene Verkehr die Verwaltung vor eine Herausforderung. Denkmalschutzauflagen und die historische Bausubstanz der Verkehrswege stellen die städtischen Verkehrsplaner vor eine anspruchsvolle Aufgabe: Auf begrenztem Straßenraum, muss der Verkehr so gesteuert werden, dass die Stadt weiterhin die strikten Umweltschutz-Gesetze und Verordnungen erfüllt. Eine Aufgabe bei der die Stadtverwaltung unter anderem auf die Software PTV Optima vertraut.

Frank Helbing vom Tiefbau- und Verkehrsamt Erfurt kennt die Mobilitätssituation Erfurts besonders gut. Das dicht bebaute Zentrum in Kessellage ist von zwei inneren Ringstraßen umgeben, den ein dritter, äußerer Autobahnring ergänzt. Neun Radialachsen bringen den Quell- und Ziel-Verkehr in die Stadt. Insgesamt etwa 800 km Straßennetz unterliegen der städtischen Aufsicht.

Bevölkerungswachstum und Umweltschutz

Das gut ausgebaute ÖPNV-Netz entlastet die Verkehrssituation auf den Straßen Erfurts merklich. Der Gesundheits-Boom der letzten Zeit unterstützt diese Entwicklung: immer mehr Menschen nehmen für kurze Strecken das Fahrrad. Trotzdem steigen die Verkehrszahlen, da das Bevölkerungswachstum nach wie vor anhält und die Bemühungen der Verwaltung darauf ausgelegt sind die Wohnbebauung zu verdichten, anstatt sie auf die Naherholungsgebiete der Stadt auszuweiten. Keine leichte Aufgabe den Verkehr umwelt- und ressourcenschonend zu steuern, den Ausstoß von Feinstaub und Stickoxiden gesetzeskonform zu reduzieren und die ambitionierten Ziele des Klimaschutzes – eine signifikante Verringerung der Kohlendioxid-Emissionen – zu erreichen.

Der Lösungsansatz: ein intelligentes Mobilitätsmanagement zur Ermittlung und Bereitstellung von  Informationen der aktuellen Verkehrslage. Für die mittel- bis langfristige Verkehrsplanung kommt in Erfurt bereits ein PTV-Produkt zum Einsatz: die Software PTV Visum. Für den nächsten Schritt, die dynamische Prognose der Verkehrslage in Echtzeit, lag es nahe, PTV Optima einzusetzen.

Torben Hilgers ist bei PTV als Real-Time-Experte mit für den Vertrieb von PTV Optima verantwortlich. Er ist von der sinnvollen und erschwinglichen Lösung für Städte aller Größen überzeugt: „Insbesondere in kleineren Großstädten eignet sich PTV Optima als Tool für Echtzeitprognosen der Verkehrssituation. Das web-basierte System setzt auf bestehende Verkehrsmodelle auf und dynamisiert diese. Standardisierte Schnittstellen ermöglichen die einfache Integration in bestehende Systemumgebungen.

Echtzeitprognosen bis zu 60 Minuten

PTV Optima läuft nach der Einführung und einem Update auf der Basis folgender aktueller Daten: Verkehrsbelastungen (aus Detektorinformationen), Parkplatzsituation, Verkehrseinschränkungen (bspw. Baustellen, Veranstaltungen, Bedarfsumleitungen) sowie Echtzeit-Informationen des Erfurter ÖPNV. Für Datenmanagement, Monitoring und Analyse werden die Ergebnisse von PTV Optima unter anderem mit Umweltdaten in der pwp-TrafficManagement-Platform zusammengeführt.

Den Verkehrsfluss automatisch steuern

PTV Optima liefert Verkehrsprognosen für verschiedene Zeitfenster zwischen fünf Minuten und bis zu einer Stunde. Auf Basis dieser Zahlenkann das Verkehrsmanagementsystem an mehreren Stellen steuernd in den Verkehrsfluss eingreifen.

Beispiel 1: Kommunikation mit den lokalen Verkehrsteilnehmern über dynamische Anzeigetafeln. Bei innerstädtischer Parkraumüberlastung verweisen diese Tafeln auf den nächsten Park-and-Ride-Parkplatz und die Nutzung des ÖPNV.

Beispiel 2: Zur Steuerung des Innenstadtverkehrs können die Lichtsignalanlagen auf den Radialen so getaktet werden, dass weniger Fahrzeuge in die Stadt ein- als ausfahren.

Beispiel 3: Bei Bedarfsumleitungen aufgrund von Unfällen auf dem Autobahnring kann der Verkehr auch durch die Stadt geleitet werden. In diesem Fall sorgt das Verkehrsmanagementsystem durch Anpassung der Lichtsignalanlagen dafür, dass auf den Umleitungsstrecken der Verkehr fließt.

Vorreiterrolle im Umweltschutz mit PTV Optima

„Die Einführung von PTV Optima verlief reibungslos; ich kenne die PTV Group bereits als kompetentes Unternehmen“, sagt Frank Helbing. Die Rolle und Aufgabe der PTV bestand in der Bereitstellung der Software und Unterstützung bei Installation und Konfiguration. Umsetzungszeitraum war 2015, ein Update wurde im Spätsommer 2016 vorgenommen.

Für die Zukunft bietet PTV Optima weitere Anwendungsmöglichkeiten. Zum Beispiel, lassen sich die Prognosedaten per App oder Informationsportal bequem der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Der Erfurter Verkehrsexperte blickt in die Zukunft: „Wir haben mit unserer Nutzung von Echtzeitdaten sicherlich eine Vorreiterrolle auch im Umweltschutz eingenommen. Jetzt wollen wir weiter gehen und die Basis für ein noch umweltorientierteres Verkehrsmanagement schaffen. Als zusätzliche Datenquellen berücksichtigen wir bereits jetzt schon meteorologische Daten und Zahlen der Umweltmessstationen in Erfurt. So können wir zeitnah auf eine steigende Schadstoffbelastung reagieren.“

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