„Der Blick von außen lohnt sich“

Jan Malik und Peter Lange, beide PTV Transport Consult GmbH, über Aufgabenstellungen und Arbeitsweisen bei Stadion-Projekten und Großveranstaltungen. Der Screenshot stammt aus einer Simulation einer Vereinzelungsanlage.

Jan Malik und Peter Lange, beide PTV Transport Consult GmbH, über Aufgabenstellungen und Arbeitsweisen bei Stadion-Projekten und Großveranstaltungen. Der Screenshot stammt aus einer Simulation einer Vereinzelungsanlage.

Jan Malik und Peter Lange von der PTV Transport Consult GmbH sind Experten für Verkehrskonzepte. Im Interview der Stadionwelt beschreiben sie die Aufgabenstellungen und Arbeitsweisen bei Stadion-Projekten und Großveranstaltungen.

Stadionwelt: PTV hat schon in verschiedenen Städten an Verkehrskonzepten rund um Stadien mitgearbeitet. Wovon können Sie aktuell berichten?

Jan Malik: Zuletzt haben wir in Wolfsburg das Verkehrskonzept aktualisiert in Form einer integrierten Betrachtung aller Verkehrsmittel. Untermauert wurde unser Konzept durch eine qualitative Beobachtung, die wir an Spieltagen durchgeführt haben. So konnten wir einzelne Problemstellen identifizieren sowie Optimierungspotenziale entwickeln und in einen Gesamtkontext bringen.

Stadionwelt: In welcher Konstellation haben Sie in Wolfsburg gearbeitet?

Peter Lange: Die Aufgabe bestand in der Aktualisierung und Erweiterung eines Konzeptes. Als wir nach unserer Analyse unsere Ideen und Planungsvorschläge vorgestellt haben, wurden diese konstruktiv diskutiert und viele Ideen wurden im finalen Konzept übernommen.

Jan Malik, Niederlassungsleiter Düsseldorf Verkehrsplanung und -technik

Jan Malik, Niederlassungsleiter Düsseldorf Verkehrsplanung und -technik

Jan Malik: In Wolfsburg war das durchaus ein iterativer Prozess. Auftraggeber war die Stadt, involviert waren diverse Beteiligte. Das Beispiel zeigt, dass sich der Blick von außen auch dann lohnt, wenn schon Experten an einer Sache arbeiten.

Stadionwelt: Haben Sie Beispiele für erfolgreiche Optimierungen?

Peter Lange: Wenn wir beim Beispiel Wolfsburg bleiben, dann haben wir dort bereits in der Vergangenheit Fußgängersimulationen durchgeführt. Dabei haben wir beispielsweise eine zusätzliche Treppe empfohlen, die im Bedarfsfall durch die Polizei eingeplant werden kann, um eine Engstelle zu vermeiden.

Jan Malik: Die Vorgehensweise ähnelt sich häufig: Es werden alle Verkehrsträger betrachtet und Optimierungen erarbeitet. In Wolfsburg haben wir bereits ein gutes Konzept vorgefunden, auf dem aufgebaut werden konnte.

Stadionwelt: Welche Probleme sind typisch für jedes Stadion-Umfeld?

Jan Malik: Typisches Problem ist die Bündelung des PKW-Anreiseverkehrs und in diesem Zusammenhang die Information der Verkehrsteilnehmer und Beschilderung. Bei anderen Verkehrsbeobachtungen haben wir erlebt, dass PKW-Fahrer ohne Zufahrtsberechtigung erst zu spät aussortiert wurden: So entstehen Diskussionen an Parkplatzeinfahrten oder Wendemanöver, die den fließenden Verkehr behindern.

Peter Lange, Projektingenieur Verkehrsplanung und -technik, Düsseldorf

Peter Lange, Projektingenieur Verkehrsplanung und -technik, Düsseldorf

Peter Lange: Heimfans kennen ihren Parkplatz und den Weg dorthin. Für Auswärtige stellt sich das aber ganz anders dar, sie sollten mit eindeutigen Hinweisen geleitet werden. Dies können statische, aber auch dynamische Leitsysteme sein. Ein spannendes Thema für die Zukunft ist in diesem Zusammenhang die App-Steuerung.

Stadionwelt: Welche temporären Maßnahmen empfehlen Sie rund ums Stadion?

Peter Lange: Eine pauschale Aussage ist hier sicher schwierig zu treffen, situationsbedingt kann es beispielsweise sinnvoll sein, im Anreiseverkehr einzelne Fahrtrichtungen zu sperren und nur im Einrichtungsverkehr zu betreiben oder im Abreiseverkehr zunächst die Fußgänger abfließen zu lassen und in diesem Zeitraum den Pkw-Verkehr zu sperren.

Jan Malik: Bei unseren Verkehrskonzepten geht es neben baulichen auch um betriebliche Aspekte und deren Zusammenspiel. Diese temporären und auch baulichen Maßnahmen können wir über unsere marktführende Software PTV Vissim verkehrsträgerübergreifend abbilden. Mithilfe dieser mikroskopischen Simulationsmodelle können wir bereits vorab Planfälle darstellen, bewerten und die Leistungsfähigkeit überprüfen. Dies ist intermodal und punktuell möglich.

Stadionwelt: Über welchen Zeitraum erstrecken sich Ihre Konzepte und Projekte?

Peter Lange: Grundsätzlich liegt uns eine langfristige Nutzung unserer Konzepte sehr am Herzen. Aber trotz eines weiten Zeithorizonts müssen diese Konzepte bei Änderungen immer wieder überprüft und gegebenenfalls fortgeschrieben werden. Das Ergebnis unserer Konzepte ist häufig eine Kombination aus sanften Maßnahmen, die mit baulichen Maßnahmen ineinander greifen. Die Erstellung eines Verkehrskonzeptes selber beansprucht in der Regel einen Zeitraum von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten.

(Quelle: Stadionwelt INSIDE 04/2016)

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