Zukunftsfähige Straßensicherheit in Saudi-Arabien

Muhammad Farhan, Ph.D., Professor an der Saudi Aramco Universität Dammam.

Derzeit gibt es täglich 27 Verkehrstote in Saudi-Arabien. Über 70 % der Opfer sind noch keine 30 Jahre alt. Unglücklicherweise wächst diese tragische Zahl. Deshalb ist es höchste Zeit, dass Straßensicherheit in der Region priorisiert wird – sowohl im akademischen Umfeld als auch im öffentlichen und privaten Sektor. Die Universität Dammam ist die einzige Hochschule in Saudi-Arabien, die einen Bachelorabschluss mit dem Schwerpunkt Verkehrsingenieurwesen anbietet. Diese Fachrichtung wurde vor drei Jahren neu eingeführt. Aktuell sind bereits über 100 Studenten in den Studiengang immatrikuliert, dessen Beliebtheit rasant wächst. Im November 2016 wurde das „PTV Traffic Safety Engineering and ITS Innovation Lab“ an der Saudi-Aramco Universität Dammam eröffnet. In der hochmodernen Einrichtung wird Studenten beigebracht, wie sie PTV Software bestmöglich anwenden. Muhammad Farhan vom Lehrstuhl Verkehrssicherheitsforschung war stark in das Projekt involviert. Im folgenden Interview spricht er über seine Erfahrungen und seine Gedanken zur Zukunft der Straßensicherheit in Saudi-Arabien.

Compass: Was erhoffen Sie sich von dieser Kooperation?

Muhammad Farhan: Mein Hauptziel ist es zu gewährleisten, dass der Verkehr in Saudi-Arabien, insbesondere in den Großstädten des Landes, sicherer wird. Aktuell ist die Straßeninfrastruktur von überholten ITS (Intelligent Transport Systems) geprägt. Wenn ich unterrichte, vergleiche ich das Transportsystems Dammams mit einem Nokia Handy des Typs 3210 – etwas, das vor Jahren hochmodern war, aber den heutigen Ansprüchen schlichtweg nicht mehr genügt. So basieren beispielsweise die Ampelsysteme in der Metropolregion Dammam noch auf Zeitschaltungen.

Um frustrierende und unnötig lange Pendelzeiten zu verhindern und einen reibungslosen Verkehrsfluss sicher zu stellen, werden an 30 Kreuzungen in Dammam adaptive Ampelschaltungen getestet. Durch das PTV Traffic Safety Engineering and ITS Innovation Lab und den Einsatz von PTV Software können wir Industriepartnern den Wert einer fahrzeugbezogenen Lösung veranschaulichen. Außerdem herrscht in Saudi-Arabien ein Mangel an gut ausgebildeten Verkehrsingenieuren. Durch die Einführung des Labors an unserer Universität haben wir einen ersten Schritt unternommen, um dem entgegen zu wirken. Wir sind guter Dinge, dass wir diesen Fachkräftemangel in fünf bis zehn Jahren beheben können.

Studenten und Fachleute, beispielsweise von öffentlichen Einrichtungen oder Ministerien, werden in unserem Lab geschult und erlernen so den Umgang mit den besten Verkehrssoftwaretools auf dem Markt. Ich bin überzeugt, dass die Kollaboration zu enormen Vorteilen und zu einer verbesserten Verkehrssicherheit und erhöhten Lebensqualität in Saudi-Arabien führen wird. Neben der Verbesserung der Verkehrsmanagementinfrastruktur ist das Hauptziel der Zusammenarbeit die Anzahl der Verkehrstoten reduzieren zu können.

Compass: Hatten Sie Schwierigkeiten dabei, den neuen Studiengang und das Labor einzuführen?

Muhammad Farhan: Ein Problem, mit dem wir konfrontiert wurden, war, dass manche Ingenieurstudiengänge, wie zum Beispiel Bauingenieurwesen, bereits seit langem etabliert sind und sich in Saudi-Arabien großer Beliebtheit erfreuen. Verkehrsingenieurwesen gehört bis dato noch nicht dazu. Die Universität Dammam arbeitet mit Hochdruck daran, Aufmerksamkeit für den neuen Studiengang zu generieren. Wir sind definitiv auf einem guten Weg und freuen uns darüber, wie sehr sich Studenten, die ihr Studium der Verkehrsingenieurwesen bereits aufgenommen haben, dafür begeistern. Sie sind stolz darauf, an einem Studiengang teilzunehmen, der ihr Heimatland zu einem sichereren Ort macht.

Compass: Wie war die allgemeine Reaktion zum neu vorgestellten Lab?

Muhammad Farhan: Generell kam das Lab sehr gut an. Sowohl bei den Hochschulangestellten und den Studenten als auch bei unseren Partnern im öffentlichen und privaten Sektor. Dr. Abdullah Rubaish, der Universitätspräsident, und Dr. Abdul Hameed Al Moajel, Vorsitzender des Saudi Aramco Sicherheitslehrstuhls, waren stark im Projektprozess involviert und unterstützen dessen weitere Entwicklung. Schulungen und technische Untersuchungen sind nicht nur für Studenten, sondern auch für Behörden und öffentliche Einrichtungen geplant. Daher wird es nicht lediglich als Studentenlabor, sondern als Investition wahrgenommen, die uns erlaubt, der Gemeinschaft etwas zurückzugeben. Ich würde sagen, dass es nicht nur ein Lab mit einem Haufen PCs und Software ist, sondern viel mehr als das: Es ist ein Knotenpunkt für PTV Software Training und andere Verkehrsforschungsaktivitäten.

Compass: Vielen Dank für ihre Zeit. Gibt es noch etwas, dass Sie gerne über die Kooperation sagen möchten?

Muhammad Farhan: Nichts zu danken und ja, in der Tat. Es ist mir ein wichtiges Anliegen hervorzuheben, dass die Metropolregion Dammam, dank PTV und ihren Out-of-the-Box-Lösungen, in erheblichem Maße profitieren wird. Ich glaube daran, dass wir gemeinsam den Wissenschafts- und Forschungsbereich revolutionieren können. Die Universität Dammam wird Hand in Hand mit PTV arbeiten, um innovative Forschungsideen voranzutreiben und kreative Transportlösungen zu integrieren. Als Partner im akademischen Umfeld werden wir in den nächsten Jahren eine noch wichtigere Rolle einnehmen. In der Forschung gilt es, eine Lücke zu füllen und PTV kann diesen Platz einnehmen – gemeinsam mit der Universität Dammam.

Das PTV Traffic Safety Engineering and ITS Innovation Lab an der Saudi-Aramco University Dammam.