AEOLIX – mehr Effizienz und Produktivität in der Logistik durch Vernetzung

Florian Krietsch, Senior Project Manager Logistics Research, leitet das Projekt AEOLIX auf PTV-Seite.

Florian Krietsch, Senior Project Manager Logistics Research, leitet das Projekt AEOLIX auf PTV-Seite.

Sichtbarkeit in der Supply Chain durch einfachen Zugang sowie Austausch und Nutzung relevanter und reichlich vorhandener Informationen mit Logistik-Bezug – das sind wesentliche Voraussetzungen für eine paneuropäische, verkehrsträgerübergreifende Logistiklösung. Eine Lösung, die viele Vorteile für alle Beteiligten bringen kann: mehr Effizienz und Produktivität bei gleichzeitiger Reduktion der Auswirkungen auf die Umwelt. In unserem Interview beschreibt Florian Krietsch, Senior Project Manager Logistics Research, der das Projekt auf PTV-Seite leitet, den Plan, eine paneuropäische Logistikplattform für Städte, Verlader und Logistikdienstleister auf die Beine zu stellen.

Compass: Um mehr Transparenz zu gewinnen, muss die Vielfalt an Daten, aber auch an Informationskanälen und Informationsmanagementsystemen so zugänglich sein, dass alle Beteiligten der Supply Chain problemlos darauf zugreifen und die Informationen verwenden können. Das klingt, als ob sich AEOLIX viel vorgenommen hätte. Denn bisher sind weder die logistischen Akteure untereinander vernetzt noch besitzen sie ohne weiteres den Zugang zu dieser Informationsvielfalt. Manche haben überdies vielleicht auch Bedenken, ihre Daten zur Verfügung zu stellen – Stichwort: Wettbewerb. Heterogene Daten, heterogene Quellen – wie kann all dies vereinheitlicht werden? Welche Daten sind konkret gemeint?

Florian Krietsch: AEOLIX hat drei Kernaufgaben: eine sichere Kommunikationsmöglichkeit für den Austausch von Daten zwischen den existierenden Systemen und Softwarediensten sowie ein Dashboard bzw. Applikationsschnittstellen für die Nutzer der AEOLIX-Plattform bereitzustellen.

Über die Plattform sollen alle möglichen Daten fließen können, die für eine möglichst lückenlose Vernetzung der unterschiedlichen Akteure nötig sind. Dies können zum Beispiel Angebots- und Nachfragedaten für die Transportplanung oder auch Daten mit Relevanz für die Transportdurchführung sein, wie Events, Fahrzeugpositionen oder voraussichtliche Ankunftszeit eines Fahrzeugs und vieles mehr. Die Plattform soll den sicheren Austausch der verschiedenen Daten zwischen den Systemen und Applikationen der Akteure gewährleisten. Außerdem können Daten, die über die Plattform fließen, von AEOLIX-Diensten veredelt werden, beispielsweise können GPS-Positionsdaten geokodiert oder aus ihnen wiederum eine Ankunftszeit für eine Tour berechnet werden.

Für die Verwaltung von Zugriffsrechten auf Daten, Dienste und deren Zusammenspiel muss es klare Regeln geben, da sonst die Basis für eine Nutzung der AEOLIX-Plattform bei vielen Nutzern fehlt. Diese gilt es, für AEOLIX im Umfeld Data Policy und Governance auf- und umzusetzen.

Compass: Was trägt PTV zu diesem Projekt bei?

Florian Krietsch: Wir sind besonders in zwei Arbeitspaketen aktiv. Eines beschäftigt sich mit der Governance, also der Verwaltung und Vergabe von Rechten. Dies geht eng einher mit der Fragestellung, wann und unter welchen Rahmenbedingungen die Plattform beim Nutzer akzeptiert und mit einem Mehrwert versehen ist. Das andere Arbeitspaket beschäftigt sich mit Diensten für die Plattform. Hier werden von PTV Applikationen und Dienste zur Tourenplanung, zur Geocodierung sowie zur Ankunftszeitberechnung bereitgestellt. Auch andere Partner werden im Rahmen des Projekts ihre Dienste zur Verfügung stellen. Und hier ist ebenfalls denkbar, dass die Kombination verschiedener Dienste unterschiedlicher Anbieter wertvolle neue Dienste hervorbringt, die wir noch nicht kennen und die sich allein über diese Plattform ergeben.

Getestet werden die Konzepte in elf Living Labs in Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Österreich, Rumänien, Schweden und Spanien. Dabei sollen die Konzepte jeweils die logistischen Anforderungen für die Digitalisierung in den jeweiligen Regionen erfüllen. Hier lässt sich dann beispielsweise das Zusammenspiel von Straße und Schiene oder auch Schiene und Hafen testen.

Compass: Wann sind erste Zwischenergebnisse aus AEOLIX zu erwarten?

Florian Krietsch: Wir stehen ja noch am Anfang, aber im Sommer 2017 sind wahrscheinlich erste Ergebnisse zu erwarten. Und schon im Mai zur transport logistic wollen wir den Messegästen für den ersten Überblick online Informationen präsentieren.

AEOLIX – Architecture for European Logistics Information Exchange

Projektleitung: ERTICO – ITS Europe ist eine Partnerschaft von rund 100 Firmen und Institutionen, die sich mit der Produktion Intelligenter Transport System (ITS) befassen. Die ERTICO-Partner führen verschiedene Aktivitäten durch, um ITS zu entwickeln und zu fördern, damit Leben gerettet, die Umwelt geschützt und Mobilität auf kosteneffiziente Weise bereitgestellt werden kann. 34 Projektpartner sind an AEOLIX beteiligt.

Laufzeit: September 2016 bis August 2019

Projektvolumen: rund 16 Millionen Euro.

Aeolix wird von der EU im Rahmen des Horizon 2020 Programms gefördert.