iHub: E oder nicht E?

PTV Group engagiert sich im Projekt iHub: Vorstellung des Elektrotransporters bei der Berliner Geschäftsstelle der Schenker Deutschland AG.

PTV Group engagiert sich im Projekt iHub: Vorstellung des Elektrotransporters bei der Berliner Geschäftsstelle der Schenker Deutschland AG.

Wie lässt sich eine gemischte Flotte aus elektrisch und konventionell betriebenen Lkws ökologisch und ökonomisch am sinnvollsten einsetzen? Das ist eine der Fragen, mit denen sich die Partner im Forschungsprojekt iHub befassen. Dabei soll eine Plattform entwickelt werden, über die die Flotte verplant und eingesetzt wird. Je nach Anforderung wird entschieden, ob ein Diesel- oder ein Elektro-Lkw für die jeweilige Tour am besten geeignet ist. Im Interview berichtet Michael Schygulla, Senior Project Manager Global Research bei der PTV Group, über iHub.

Compass: Ist iHub die Zukunft des Flottenmanagements in der Stückgut-Logistik?

Michael Schygulla: Zumindest ist iHub ein wichtiger Schritt in Richtung Zukunft, um gemischte Lkw-Flotten so effizient wie möglich einzusetzen. E-Mobilität scheint manchen noch im Widerspruch zu den Erfordernissen der Stückgutlogistik zu stehen, nämlich schnell, pünktlich und zuverlässig zu liefern. Dabei wird immer ins Spiel gebracht, dass man mit Elektro-Lkws weniger flexibel planen könne, da sie aufgeladen werden müssen, eine geringere Reichweite besitzen und folglich nicht uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Aber wie so oft ist das vermeintliche Manko nur eine Frage der Planung. Wichtig ist bei einer gemischten Flotte eine intelligente Steuerung, die den Nachteil ausgleicht und Transportaufträge den Elektro-Lkws zuteilt, die dazu geeignet sind.

Compass: Und solch eine Steuerung wird im Projekt erarbeitet?

Michael Schygulla: Genau. Im Rahmen des Projekts wird eine IT-gestützte Plattform entwickelt, die Gebäude-Energie-, Ladestations- und Tourenmanagement der gemischten Fahrzeugflotte steuert. Die Entscheidung für E oder nicht E hängt jedes Mal von der Gesamtsituation ab, deshalb wird die Plattform auch verschiedene Parameter wie Batteriezustand, Ladeplanung und Länge der Verteilrouten in die Entscheidung einbeziehen. Die Plattform wird mit einer dynamischen Tourenplanung verknüpft, die das Hub-Energiemanagementsystem mit prognostischen Daten zum Abnutzungsgrad der Fahrzeugbatterien (State of use) der vor Ort verfügbaren Fahrzeuge versorgt.

Die dynamische Tourenplanung bezieht dann sowohl die E-Fahrzeuge als auch die nicht elektrifizierten in ihre Berechnung ein. Dazu gehört auch, dass neben den Auftragsdaten und den Ladezuständen der E-Fahrzeuge zusätzlich die Energiemanagementdaten des Gebäudes berücksichtigt werden. Der ganzheitliche Ansatz, also die Integration der Gebäude- und Fahrzeugdaten in ein dynamisches Tourenplanungssystem in Verbindung mit neuer Fahrzeugtechnik, wird wiederum die intelligente Einbindung in ganzheitliche Mobilitäts-, Plattform- und Logistikkonzepte sicherstellen.

Compass: Wie wird das System getestet?

Michael Schygulla: Am Beispiel einer gemischtem Flotte mit drei Elektro-Lkws mit bis zu 18 Tonnen Gesamtgewicht, die Stückgut im städtischen Raum transportieren. Sie werden an der Geschäftsstelle Berlin der Schenker Deutschland AG eingesetzt. Dort sind pro Tag mindestens 30 Fahrzeuge aller Art im Einsatz, also auch Wechselbrücken, Hängerfahrzeuge oder Sattelauflieger. Für das Projekt werden zusätzlich drei E-Fahrzeuge getestet, ein 12-Tonner, ein 18-Tonner und ein Transporter.

Compass: Wo steht das Projekt derzeit?

Michael Schygulla: Wir befinden uns jetzt in der ersten Realisierungsphase. Beim letzten Projekttreffen bei Schenker wurde bereits der Elektrotransporter vorgestellt. Zuvor haben wir bei PTV den aktuellen Fuhrpark in der Tourenplanung abgebildet und analysiert, welche Touren sich für die E-Trucks eignen. Weiterhin werden bei PTV Algorithmen für gemischte Flotten entwickelt, die alle relevanten Restriktionen berücksichtigen können. Außerdem sind wir auch für die Navigation zuständig, die für die neuen E-Fahrzeuge kalibriert wird. Nach der Anbindung der neuen Fahrzeugtypen wird PTV E-Navigator im Laufe dieses Jahres für den Testeinsatz bei Schenker bereitgestellt.

Wenn die Testphase abgeschlossen ist, sollen die Ergebnisse anschließend auf größere Flotten übertragen werden. Im Projekt iHub soll gezeigt werden, dass gemischte Flotten eine wirtschaftliche Alternative zu klassischen Lkw-Flotten bieten. Dadurch wird Stückgutlogistikern der Einstieg in die Elektromobilität erleichtert. Und wenn es gelingt, die Vorteile der E-Mobilität wie geringere Emissionen und Lärm im Praxiseinsatz zu zeigen, ist damit ein wichtiger Schritt in die Zukunft einer emissionsfreien Logistik getan.

iHub – Intelligente IT-gestützte Plattform für elektromobiles, nachhaltiges und effizientes Infrastruktur- und Flottenmanagement von Logistik-Hubs

Im Rahmen von iHub wird eine integrierte IT-Plattform aufgebaut, die Planung und Optimierung von Fahrzeugflotten- und Energiemanagement miteinander verknüpft. Die Kombination der folgenden drei technischen Systeme ist der Schlüssel zum Erfolg: Intelligentes Batteriemanagement für den optimalen Einsatz von elektrisch betriebenen Lkws, dynamische Tourenplanungsverfahren und integriertes Energiemanagement für Logistikzentren zum kosteneffizienten Wiederaufladen an den Hubs.

Projektleitung: Schenker Deutschland AG

Projektpartner: PTV Group, FRAMO GmbH, Fraunhofer IVI und Institut für Postfossile Logistik PFL

Projektdauer: Januar 2016 bis Ende 2018

Das Vorhaben wird im Rahmen des Programms „IKT für Elektromobilität III“ des Bundesministeriums für Wirtschaft gefördert, ist damit Teil der „Digitalen Agenda 2014 bis 2017“ und unterstützt darüber hinaus die im Regierungsprogramm Elektromobilität beschriebenen Forschungsziele.

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