C- MobILE: Sicher und effizient transportieren

Michael Schygulla, Senior Project Manager Global Research bei der PTV Group, im Interview zum Projekt C-MobILE

Michael Schygulla, Senior Project Manager Global Research bei der PTV Group, im Interview zum Projekt C-MobILE

Sicherer und effizienter Transport auf Europas Straßen ohne Unfälle, vor allem in komplexen urbanen Räumen und für besonders gefährdete Verkehrsteilnehmer – das ist die Vision des Forschungsprojekts C-MobILE (Accelerating C-ITS Mobility Innovation and depLoyment in Europe). Ziel der 37 Projektpartner aus ganz Europa ist es, C-ITS (Cooperative Intelligent Transport Systems) großflächig einzusetzen, um den automatisierten Verkehr in Europa voranzubringen. Im Interview berichtet Michael Schygulla, Senior Project Manager Global Research bei der PTV Group, über das Projekt.

Compass: Eine staufreie, nachhaltige und ökonomisch machbare Mobilität, die die Auswirkungen auf die Umwelt beim Straßentransport minimiert – das klingt natürlich traumhaft. Noch sieht die Realität auf europäischen Straßen ja anders aus. Wie will C-MobILE den Traum Wirklichkeit werden lassen?

Michael Schygulla: Mit verschiedenen ITS-Applikationen, die alle Verkehrsträger, Verkehrsmittel und Nutzer einbeziehen – und vor allem auch bedarfsgerecht zur Verfügung stehen. Einige davon gibt es schon, weitere sollen entwickelt werden. Dazu müssen unendlich viele Daten ausgewertet bzw. verarbeitet werden. Und das ist auch das Knifflige daran.

Daten gibt es ja schon jetzt jede Menge, beispielsweise aus dem Verkehr, die dann für Verkehrsmanagementzentralen genutzt werden. Aber es gibt noch viele weitere Daten, etwa Mobilfunkdaten aus dem fließenden Verkehr, die ebenfalls auf Störungen im Verkehrsfluss hinweisen. Solche Daten werden gerade auch im Zusammenhang mit automatisierten oder teilautomatisierten Fahrzeugen immer relevanter. Die Herausforderung ist es, alles so miteinander zu vernetzen, dass je nach Situation die passende Anwendung genutzt werden kann.

Compass: Wie könnten solche C-ITS-Anwendungen aussehen?

Michael Schygulla: Im Bereich der Kommunikation von Fahrzeugen untereinander lässt sich die Sicherheit erhöhen mit Anwendungen, die vor stehenden oder sehr langsamen Fahrzeugen warnen oder die extra darauf aufmerksam machen, dass sich ein Motorrad oder ein anderes „schwächeres“ Fahrzeug nähert oder sich im toten Winkel befindet. Besonders wichtig werden auch Systeme und die Vernetzung zur kooperativen Steuerung an komplexen Kreuzungen in Städten. Im Bereich Verkehrseffizienz können systemgestützt dynamische Geschwindigkeitsbegrenzungen angezeigt oder Empfehlungen zu Reisemitteln und Reisezeiten gegeben werden, beispielsweise bei großen Veranstaltungen in einer Stadt oder bei Staus. Auf dem Feld der Kommunikation zwischen Infrastruktur und Fahrzeugen können beispielsweise Baustellenwarnhinweise helfen. Ein weiteres wichtiges Thema sind Parkplätze für Lkws. Auch hier gibt es Möglichkeiten, den Fahrern die Einhaltung ihrer Lenk- und Ruhezeiten zu erleichtern und sie mit Informationen zu sicheren und verfügbaren Parkplätzen zu versorgen.

Compass: Und wie soll sichergestellt werden, dass sich diese und viele weitere Anwendungen dann auch für ganz Europa sinnvoll im Transport einsetzen lassen?

Michael Schygulla: Wir wollen Testmethoden entwickeln, um die Verbesserungen durch C-ITS-Architekturen tatsächlich evaluieren zu können. Für die Tests haben wir Pilotfelder in ganz Europa. Sie bilden die Basis für einen Großeinsatz unserer im Projekt erarbeiten Anwendungen. Diese Anwendungen werden im Echtbetrieb getestet. Wir wollen zeigen, dass die Services nahtlos ineinandergreifen und verfügbar sind. Dabei behalten wir auch die Endkosten für die Nutzer im Blick. Die Testfelder sind Barcelona, Thessaloniki, Vigo, Newcastle, Kopenhagen, Bordeaux, Bilbao und die Region Nord-Brabant. Aber besonders wichtig ist uns, dass die getesteten Services zudem auf andere Städte und Regionen übertragbar sind.

Compass: In welchen Arbeitspaketen wirken wir konkret mit?

Michael Schygulla: Wir von PTV Research beteiligen uns schwerpunktmäßig in den Arbeitspakten zur Architektur und dem Systemdesign sowie der Validierung. PTV Truckparking wird als Unterauftragnehmer insbesondere im Arbeitspaket Integration und Demonstration mit der Weiterentwicklung und Bereitstellung der App Truck Parking Europe beteiligt sein.

C-MobILE

Die EU fördert C-MobILE im Rahmen von Horizon 2020 mit 15 Mio. Euro. Ziel des Projekts ist es, europaweit kooperative intelligente Transportsysteme und Services großflächig einzusetzen und zu unterstützen. Beteiligt sind 37 europäische Partner.

Projektleitung: Marcos Pillado, IDIADA, Spanien

Projektdauer: 01.06.2017 – 30.11.2020