World Road Association in Karlsruhe

Im Juli tagte das Komitee Road Infrastructure Investment and Social Development der WRA bei der PTV Group in Karlsruhe.

Im Juli tagte das Komitee Road Infrastructure Investment and Social Development der WRA bei der PTV Group in Karlsruhe.

Bei der World Road Association, kurz WRA, bearbeiten Expertenteams in Komitees jeweils vier Jahre lang verschiedene Themenfelder. Prof. Dr. Christoph Walther, Head of Global Research bei der PTV Group, wurde 2016 von der WRA auf Vorschlag des Bundesministeriums für Verkehr und Digitale Infrastruktur (BMVI) in das Komitee Road Infrastructure Investment and Social Development berufen. Das Komitee tagte im Juli nach einer Auftaktsitzung im Herbst 2016 in London bei der PTV in Karlsruhe. Im Interview berichtet Christoph Walther von der Arbeit des Komitees und den bisherigen Ergebnissen.

Compass: Was ist das Besondere daran, ein solches Thema in einer weltweit agierenden Institution zu bearbeiten?

Christoph Walther: Investitionen in die Straßeninfrastruktur haben in Ländern verschiedener Regionen und wirtschaftlicher Standards dieser Welt völlig unterschiedliche ökonomische und soziale Implikationen. Vor allem in weniger entwickelten Ländern, wo es beispielsweise um erstmalige Erreichbarkeiten von Krankenhäusern, aber auch Jobs, und Schulen geht, sind die Auswirkungen extrem hoch. In Ländern mit sehr dichten Verkehrsnetzen ist der sogenannte Grenznutzen jeder weiteren Infrastruktur eher gering. Die Diskussionen bei der World Road Association erden die eigenen Tätigkeiten in Europa ungemein.

Compass: Wie läuft die Arbeit in „deinem“ Komitee?

Christoph Walther stellt theoretische Grundlagen der Zuverlässigkeitserfassung im Straßenverkehr und erste Anwendungen im Bundesverkehrswegeplan 2030 vor.

Christoph Walther stellt theoretische Grundlagen der Zuverlässigkeitserfassung im Straßenverkehr und erste Anwendungen im Bundesverkehrswegeplan 2030 vor.

Christoph Walther: Das Komitee besteht aus drei Arbeitsgruppen: Ex-Post-Evaluierungen, Arbeitsmarkteffekte und Zuverlässigkeit in Verkehrssystemen. Die Leitung der letztgenannten Arbeitsgruppe teile ich mir mit einem sehr engagierten Kollegen aus Rom. Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen zur Zuverlässigkeit anschaulich darzustellen (was bei der komplexen Materie nicht einfach ist) und dann in einzelnen Fallstudien zu schauen: Was passiert unter diesem Aspekt in den einzelnen Ländern konkret? Was ist die Wahrnehmung von Zuverlässigkeit in den verschiedenen Ländern, völlig unabhängig von aller Theorie? Wobei mit Zuverlässigkeit im Verkehr in Europa akribisch die Abweichung der realisierten Reisezeit vom Erwartungswert gemeint ist, wohingegen z. B. in den Tropen in Starkregenzeiten schon alle happy sind, wenn ein Transport überhaupt ankommt. Theorie und Fallstudien werden zu Berichten zusammengestellt, die 2019 zum Abschluss des Zyklus in Abu Dhabi präsentiert werden. Diese Berichte werden weltweit an die Regierungsorganisationen verteilt, um sie bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

Compass: Wie viele Mitglieder haben sich in Karlsruhe getroffen und was wurde besprochen?

Der Leiter des Komitees, Fred Amonya, stimmt die House Keeping Announcements mit der lokalen Organisation, Clarissa Strasser, ab.

Der Leiter des Komitees, Fred Amonya, stimmt die House Keeping Announcements mit der lokalen Organisation, Clarissa Strasser, ab.

Christoph Walther: In Karlsruhe trafen sich etwa 20 Vertreter des Komitees, unter anderem aus Mexiko, Südafrika, Südkorea, Japan, Marokko, Papua-Neuguinea und mehreren europäischen Staaten. Via Skype waren auch Vertreter aus den USA zugeschaltet. Im Fokus stand die Diskussion der Arbeitsfortschritte in Theorie und Praxis. Darunter beispielsweise eine Studie aus Mexiko, die versucht den Wert der Reisezeit abhängig von Regionen und Gehaltsniveaus zu bestimmen. Ein weiteres sehr interessantes Fallbeispiel kam aus Budapest. Hier wurde versucht, innerstädtische Zuverlässigkeit zu messen und die Reisezeitverteilung vom Business District zur Altstadt untersucht. Aus Südafrika kommen Beispiele zu den Auswirkungen von Green Field Investments, also Straßenneubauten in bislang unerschlossenen Gebieten.

Compass: Was waren für dch die Highlights der Tagung?

Angeregte Diskussionen auch in den Pausen.

Angeregte Diskussionen auch in den Pausen.

Christoph Walther: Ich war begeistert vom hohen wissenschaftlichen Niveau der Diskussionen. Und ich glaube, ich spreche für alle Teilnehmer, wenn ich sage, dass wir hier in Karlsruhe zum ersten Mal ein besonderes Zusammenwachsen in der Gruppe gespürt haben. Das ist bei den sehr unterschiedlichen sonstigen Lebenswirklichkeiten keine Selbstverständlichkeit. Die Stadtrundfahrt mit dem Bus bis auf den Turmberg und das Abendessen im Vogelbräu in Durlach haben sicher auch dazu beigetragen.

WRA

Die WRA ist eine gemeinnützige Organisation, die von den Regierungen der Mitgliedsländer getragen wird und sich in internationaler Zusammenarbeit für alle Belange des Straßenwesens engagiert. Gegründet wurde der Verband 1909 unter dem Namen Permanent International Association of Road Congresses, abgekürzt PIARC. Die Mitglieder stammen aus rund 140 Ländern und setzen sich zusammen aus Landesregierungen, Behörden sowie Einzelpersonen.

Das Komitee Road Infrastructure Investment and Social Development wird im November in Marokko zusammenkommen, anschließend stehen Seminare in Südafrika und in Tansania an.