Erdbeben in Mexiko: Schnelle Auslieferung von Hilfsgütern – eine Frage von Leben und Tod

Es ist entscheidend, die Lkws über passierbare Strecken zu leiten, damit die vom Beben betroffenen Orte schnell versorgt werden können. Foto: Aryana Benavides / David Valdovinos

Es ist entscheidend, die Lkws über passierbare Strecken zu leiten, damit die vom Beben betroffenen Orte schnell versorgt werden können. Foto: Aryana Benavides / David Valdovinos

In den letzten zwei Wochen wurde Mexiko von zwei schweren Erdbeben erschüttert. Angesichts der akuten Notlage bat der Generaldirektor des mexikanischen Instituts für Verkehrswesen (IMT) im Auftrag des Regierungsbeauftragten für Infrastruktur unseren Geschäftsführer vor Ort, Vicente Torres, um Hilfe.

Compass: Vicente, wie sieht die aktuelle Lage in deiner Region aus?

Vicente: Die Erdbeben haben in mehreren Bundesstaaten und im Großraum Mexiko-Stadt schwere Schäden verursacht und zum Einsturz vieler Gebäude geführt. Es gab eine Welle der Solidarität.  Seit den Beben sind die Menschen unermüdlich im Einsatz – die Hilfsbereitschaft ist enorm. Lebensnotwendige Hilfsgüter wurden in Sammelzentren für die betroffene Bevölkerung zusammengetragen. Doch jetzt stehen wir vor der schwierigen Aufgabe, die Lkws über passierbare Strecken zu leiten, damit die vom Beben betroffenen Orte schnell versorgt werden können.

Compass: So erhielst du einen Anruf vom Verkehrsministerium. Worum ging es bei eurem Gespräch?

Vicente: Das Verkehrsministerium hatte bei mir angefragt, ob die PTV Group die Regierung in dieser Notsituation unterstützen könnte. Sie baten mich um freien Zugriff auf unsere Routing-Plattform über einen begrenzten Zeitraum hinweg. Unser Routing-Tool soll allen Beteiligten helfen, die beste Strecke ausfindig zu machen, um die Opfer und Notleidenden schneller mit den notwendigen Gütern wie Lebensmitteln, Kleidung, Werkzeugen, Geräten und Hilfsmitteln zu versorgen. Wir mussten natürlich nicht lange überlegen und haben sofort mit der Umsetzung begonnen.

Compass: Wie kann der professionelle Routingdienst denn jetzt kostenlos genutzt werden?

Vicente Torres, Managing Director von PTV América Latina, organisierte mit seinen Kollegen die Bereitstellung und kostenlose Nutzung des Notfall-Routenplaners für Mexiko. Foto: fotoskop W. Sieber

Vicente Torres, Managing Director von PTV América Latina, organisierte mit seinen Kollegen die Bereitstellung und kostenlose Nutzung des Notfall-Routenplaners für Mexiko. Foto: fotoskop W. Sieber

Vicente: Es handelt sich um eine benutzerfreundliche Web-Anwendung. Über die Webseite http://mx.mapandguide.com. kann man sich für den Testzugang anmelden. Die Nutzung der Testversion haben wir nun von sieben auf 90 Tage verlängert.

Compass: Für welche Zwecke eignet sich die Software?

Vicente: Das Routingtool hilft allen Fahrern, schnell und sicher in die Katastrophengebiete zu gelangen. Auch die Hilfsgütersammelstellen sind damit problemlos auffindbar.

Insbesondere viele kleine Orte tief in den Bergen oder weit außerhalb auf dem Land sind stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Hilfe kommt aber von den großen Städten, von denen die Hilfsgüter mit Lkws an die Unglücksstellen geliefert werden müssen. Die Fahrer benötigen dafür die passende Routenempfehlung, um sicher und schnell dort anzukommen Google oder Waze sind in diesem Fall keine Alternative. Im Gegenteil, die Fahrer könnten sogar in Schwierigkeiten geraten, wenn sie über Wege geleitet werden, die für Lkws nicht geeignet sind. Die Auslieferung von Gütern ist aktuell keine Frage der Wirtschaftlichkeit, sondern entscheidet schlichtweg über Leben und Tod.

Compass: Werden auch zusätzliche Informationen zu den Notfallmaßnahmen bereitgestellt?

Vicente: Wir werden besondere Points of Interest (POI) hinzufügen und diese wöchentlich aktualisieren. Dazu gehören beispielsweise die Standorte der Sammelzentren, Orte, die dringend Hilfe benötigen, auch Schutzunterkünfte und andere wichtige POIs, die aktuell von Bedeutung sein könnten.

Das mexikanische Verkehrsministerium sammelt die relevanten Informationen, die anschließend in unser Tool eingelesen werden. Keine leichte Aufgabe für ein Land, das so groß und kompliziert ist wie Mexiko.

Compass: Wir sind sehr glücklich darüber, dass alle unsere Mitarbeiter in der Region wohlauf sind. Und wir wünschen ihnen und allen Helfern viel Kraft und Erfolg bei der Bewältigung der aktuellen Herausforderungen.

Ein Gedanke zu „Erdbeben in Mexiko: Schnelle Auslieferung von Hilfsgütern – eine Frage von Leben und Tod

  1. Kleiner Hinweis:
    Wurden auch die Satelliten-Bilder des betroffenen Raums dahingehend analysiert, ob die Straßen überhaupt nutzbar sind? Dies wäre m. E. eine wichtige Hilfe für die strategische Planung der Hilfsrouten. Diese Information über die Netzqualität müsste natürlich dynamisch an die Aktualtität angepasst werden.
    Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Weiterentwicklung der bedeutenden Tools.
    MfG
    Viktor Stottmeister

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