Mobility-on-Demand: nachfrage-gesteuerte Mobilitätsangebote

Das Foto zeigt Karlsruhes Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup im Kreis der Konsortialpartner des Projekts RegioMOVE. (Foto: KVV/Peter Hennrich)

Wie kann sich ein Verkehrsverbund zu einem serviceorientierten Mobilitätsverbund weiterentwickeln? Dieser Herausforderung nimmt sich das Forschungsprojekt RegioMOVE an, das im Dezember 2017 gestartet ist. Unsere Experterin Tanja Schäfer beantwort dazu erste Fragen:

Compass: Welche Ziele werden mit dem Projekt RegioMove verfolgt?

Tanja Schäfer: Der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) soll sich im Verlauf der kommenden Jahre von einem klassischen Verkehrsverbund hin zu einem Mobilitätsverbund weiterentwickeln. Im Rahmen von RegioMOVE sollen bestehende Mobilitätsangebote im KVV-Gebiet sowie im Gebiet der TechnologieRegion Karlsruhe künftig miteinander vernetzt werden. Neben den Bus- und Bahnverbindungen, die jährlich von Millionen Fahrgästen genutzt werden, sollen in den kommenden Jahren unter anderem Carsharing- und Leihfahrradanbieter in das System integriert werden. Es wird angestrebt, mehrere Mobilitätsanbieter auf einer gemeinsamen Plattform zusammenzuführen und so den gestiegenen Kundenbedürfnissen Rechnung zu tragen.

Compass: Welche Ergebnisse sollen am Ende der dreijährigen Projektlaufzeit vorliegen?

Tanja Schäfer: Zur Stärkung der Mobilität in der Region sollen die unterschiedlichen Mobilitätsangebote an Knotenpunkten, den sogenannten Ports, ausgebaut werden. An diesen Ports, die an ausgewählten Standorten der Region platziert werden, können Fahrgäste in Zukunft unkompliziert zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln wählen und wechseln. Dazu wird eine umfangreiche Standort- und Bedarfsanalyse im Verbundgebiet durchgeführt, um die optimalen Standorte für die Ports zu ermitteln.

Zudem soll die IT-Struktur der erforderlichen Buchungs- und Planungsplattform entwickelt und ein umfassendes Konzept mit Blick auf die Themen Tarife und Verträge im Mobilitätsverbund erarbeitet werden.

Compass: Welchen Anteil leistet die PTV Group dazu?

Tanja Schäfer:  Die PTV Group liefert drei wichtige Bausteine: Zum ersten modellieren wir mit Hilfe unserer speziell entwickelten Softwaretools, wie den MaaS-Modeller, neue Mobility-as-a-Service-Angebote und evaluieren neue Betriebskonzepte, z. B. für Carsharing. Zweitens stellen wir für das übergreifende Auskunftssystem das Routing und die intermodale Reiseplanung als zentralen Technologe-Baustein bereit.  Als dritte Aufgabe werden wir modellseitige und planerische Arbeiten übernehmen – für die Ausgestaltung und Ausstattung neuartiger Mobilitätsstationen, den Ports.

(Weitere Details siehe Pressemitteilung)

Compass: Was macht dieses Vorhaben so besonders?

Tanja Schäfer: Im Forschungsprojekt RegioMove ziehen verschiedene regionale Partner an einem Strang und bündeln ihre Kompetenzen. Es ist ein Leuchtturmprojekt, das 2015 im Rahmen des landesweiten Wettbewerbs RegioWIN prämiert wurde und vom Land Baden-Württemberg und Europäischen Union (EFRE) maßgeblich gefördert wird.

Als Konsortialpartner sind an der Umsetzung neben dem KVV und dem Regionalverband Mittlerer Oberrhein (RVMO) das KIT, die Hochschule Karlsruhe, das FZI Forschungszentrum Informatik, die raumobil GmbH, die PTV Group, die INIT GmbH, Stadtmobil CarSharing, die Stadt Karlsruhe und der Landkreis Rastatt beteiligt.

Tanja Schäfer, PTV Group

Tanja Schäfer ist Geographin und Senior Project Managerin in der Abteilung „Transport Policy and Research“ bei der PTV Group seit 2000. Ihr Arbeitsschwerpunkt liegt in der nachhaltigen Verkehrsplanung und der Entwicklung von Methoden und Werkzeugen, die helfen, ökologische, soziale und ökonomische Auswirkungen von Verkehrsprojekten zu bewerten und die Implementierung nachhaltiger Verkehrssysteme einschließlich „neuer“ Mobilitätsformen (z.B. Sharing-Systeme, E-Mobilität, Autonomes Fahren) zu erleichtern.