PTV Insights: Ein Blick ins PTV Research Team

Bereichern seit diesem Jahr das PTV-Research-Team: Charlotte Fléchon (l.) und Jasmin Graf.

Wer Mobilität zukunftsfähig gestalten will, muss vorausschauend handeln. Deshalb engagieren wir uns bei PTV in zahlreichen nationalen und internationalen Forschungsprojekten für den Transport- und Verkehrssektor. Ganz neu an Bord des PTV-Forschungsteams sind Jasmin Graf und Charlotte Fléchon. Im Interview berichten die beiden, wie spannend es ist, so nah an der Zukunft der Mobilität dran zu sein.

Compass: Charlotte, Jasmin, wie wird man eigentlich Forscherin?

Jasmin (lacht): Das ist eine gute Frage. Ich bin von Haus aus Wirtschaftsingenieurin. In meinem Studium am Karlsruher Institut für Technologie habe ich mich schon ziemlich stark auf die Themen Logistik und Verkehr spezialisiert und viel Praxiserfahrung in der Logistik gesammelt. So kam eins zum anderen und jetzt bin ich hier bei PTV im Bereich Logistik Forschung.

Charlotte: Ich habe in Frankreich Chemie studiert und dann meinen Doktor in Physik gemacht. Danach habe ich drei Jahre in der Forschung und Entwicklung eines Start-ups gearbeitet. Irgendwann wollte ich etwas Neues machen und bin noch mal an die Uni für einen Advanced Master in Supply Chain Management. Nach einem Praktikum bei Bosch in Karlsruhe habe ich mich bei der PTV Group im Research Team beworben.

Compass: Es führen also die verschiedensten Wege bzw. Lebensläufe ins PTV-Forschungsteam…

Jasmin: Ja. Ich glaube, den klassischen Forscher gibt es bei uns nicht. Wir sind ein bunter Haufen aus Geografen, Verkehrsingenieuren, BWLern, Mathematikern, Informatikern usw. Das ist aber ein großer Vorteil. Wir arbeiten an so vielen unterschiedlichen Projekten und können dafür die verschiedensten Kompetenzen bündeln.

Compass: Und an welchen Projekten arbeitet ihr aktuell?

Charlotte: Ich bin in drei Verkehrsprojekten involviert, die alle von der EU gefördert werden. CoEXist beschäftigt sich mit der Interaktion zwischen teilautomatisierten und konventionellen Fahrzeugen in der Übergangszeit bis zu voll-autonomen Fahrzeugflotten. Wir sind da Work-Package Leader und mit dem ganzen Projektmanagement und viel Koordination und Organisation beschäftigt. Bei C-MobILE, ist das Ziel, den Transport auf Europas Straßen sicherer und effizienter zu machen. Das dritte Projekt Flow untersucht, inwieweit verbesserte Mobilitätsmöglichkeiten für Fußgänger und Fahrradfahrer Staus in Städten reduzieren können. Dafür hat eine ehemalige Kollegin ein Bewertungsverfahren entwickelt, um die Wirkung von Maßnahmen auf Staus besser zu analysieren. Meine Aufgabe ist es, das Tool weiterzuentwickeln.

Jasmin: Ich bin in zwei Logistik-Projekten drin. Einmal Clusters 2.0., bei dem an einem vernetzten multimodalen logistischen Netzwerk aus mehreren Clustern gearbeitet wird. Das ist für mich als Berufseinsteigerin besonders spannend, da es ein relativ großes EU-Projekt ist, das von der PTV koordiniert wird. Bei TransformingTransport, meinem zweiten Projekt, geht es darum, wie man einen Mehrwert aus Big Data in der Logistik und im Verkehr schaffen kann. Da unterstütze ich in den einzelnen Arbeitspaketen, u.a. um durch vorhandene Daten bessere Ankunftszeiten für LKWs abschätzen zu können.

Compass: Was macht für euch den Reiz an der Forschungsarbeit aus?

Jasmin: Ganz klar die Themen! Wir in der Forschung schauen uns das an, was morgen oder übermorgen beim Produkt ankommen wird. Es geht hier zum Beispiel um Autonomes Fahren oder darum, wie sich Lkws besser vernetzten lassen. Das ist alles sehr spannend und innovativ. Das Tolle ist, dass wir uns diesen Themen angewandt und wissenschaftlich nähern, also gleichzeitig betrachten, wo sie in der Realität angewendet werden können und wie forschungsseitig damit umgegangen wird. Für uns spielt natürlich auch immer eine entscheidende Rolle, wie die PTV-Produkte dadurch weiterentwickelt und optimiert oder einfach bekannter gemacht werden können.

Charlotte: Ja, wir haben einen direkten Einblick, was die Zukunft bringt. Spannend finde ich zudem, wie vielfältig die Forschungsprojekte sind. Bei C-MobILE spielen zum Beispiel auch psychologische Aspekte eine Rolle. Stichwort Acceptance, also wie reagieren die Leute auf neue Informationen. Oder  die verschiedenen Partner, mit denen wir zusammenarbeiten. Bei CoEXist sind es 15 aus den unterschiedlichsten Bereichen von Autobauern bis zu Städten.

Compass: Wie läuft die Projektarbeit mit so vielen unterschiedlichen Partner ab? Wie kann man sich das vorstellen?

Charlotte: Das hängt natürlich immer ein bisschen davon ab, wie groß die Projekte sind. In der Regel gibt es Meetings, bei denen alle dabei sind, zum Beispiel wenn die Arbeitspakete vorgestellt und vergeben werden. Dann splittet sich das meistens in Workshops, in denen kleinere Gruppen  zusammenarbeiten. In der Logistik sind die Projekte häufig sehr groß, dann gibt es mehr Workshops. Im Bereich Traffic sind die Projekte meist kleiner. Bei CoExist machen wir zum Beispiel fast alles gemeinsam mit allen Projektteilnehmern.

Compass: Das klingt so als wärt ihr viel unterwegs …

Jasmin: Ja, das ist zwar manchmal etwas stressig, macht aber unglaublich viel Spaß, gerade wenn man mit Partnern aus ganz Europa zusammenkommt. Aber unsere Arbeit spielt sich natürlich auch am Schreibtisch ab. Es gehören viel Recherche, Berichte schreiben oder Akquisitionstätigkeiten dazu.

Compass: Und was sind momentan die größten Herausforderungen für euch?

Jasmin: Sich erst mal in die Projekte einzufinden, ist nicht immer ganz einfach. Gerade die EU-Projekte laufen meist 3 Jahre oder länger. Das ist dann häufig sehr komplex. Da die Projekte so unterschiedlich sind, muss man sich immer wieder neu eindenken.

Charlotte: Ja, das Schöne ist, dass man im Team und in der ganzen PTV immer auskunftsfreudige Ansprechpartner findet.

Compass: Was sind aus für euch die Hottopics der Zukunft in eurem Bereich?

Charlotte:  Automatisierte Autos, neue Mobilitätsformen wie Shared Mobility und MaaS, Digitalisierung, Big Data, Umwelt. Das sind alles Hottopics, die verbunden sind und die uns jeden Tag bei unserer Arbeit beschäftigen.

Jasmin: Es wird immer wichtiger, Verkehr und Logistik nicht mehr voneinander zu trennen, sondern gemeinsam zu betrachten. Beide Bereiche beeinflussen sich gegenseitig und ich denke, dass man einen Mehrwert schaffen kann, indem der Zusammenhang zwischen der Logistik und dem Verkehr berücksichtigt wird.