Mobilitätskonzept der Stadt Landau (Pfalz) mit Bürgerbeteiligung

Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Landau werden aktiv mit in den Planungsprozess des neuen Mobilitätskonzepts, das derzeit im Auftrag der Stadt durch die PTV Transport Consult GmbH erstellt wird, einbezogen.

Die Beteiligung der Öffentlichkeit im Zusammenhang mit der konkreten Planung von Verkehrsprojekten oder auch bei der allgemeinen verkehrlichen Rahmenplanung hat in den vergangenen Jahren zurecht einen sehr hohen Stellenwert erreicht. Die Bürgerinnen und Bürger als tägliche Nutzer des Systems Verkehr in unterschiedlichsten Formen und Ausprägungen haben ein großes Interesse daran, dass ihre Ideen und Vorstellungen gehört und berücksichtig werden. Daher ist der Begriff „Beteiligung“ auch wörtlich zu nehmen und nicht nur auf die Information fertiger Ergebnisse zu reduzieren. Ein sehr gutes Beispiel einer intensiven aktiven Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger in den Planungsprozess ist das Mobilitätskonzept für die Stadt Landau (Pfalz), das derzeit im Auftrag der Stadt durch die PTV Transport Consult GmbH erstellt wird. 

„Das wichtigste bei der Bürgerbeteiligung in Planungsprozessen ist es, die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger nicht nur anzuhören sondern diese auch in den Prozess aufzunehmen. Auch wenn nicht alles einvernehmlich im Konsens entschieden wird, sollen sie durch ihre aktive Teilnahme und umfassende Informationen nachvollziehen können, warum welche Planung wie umgesetzt wird“, sagt Christoph Schulze, Fachgebietsleiter Verkehrsplanung und -technik bei der Transport Consult.

In Landau erfahren Interessierte auf der sehr informativen und übersichtlichen Webseite zum Projekt nicht nur Hintergründe zum Mobilitätskonzept, den neuesten Stand und mehr zur aktuellen Projektphase. Sie erhalten auch Informationen darüber, wie sie sich konkret einbringen können. So haben sie beispielsweise die Möglichkeit, auf einem interaktiven Stadtplan während der aktuellen Arbeitsphase der Bestandsanalyse Positiv- und Negativbeispiele im Landauer Verkehrsnetz zu verorten und mit entsprechenden Kommentaren zu versehen. Gerade abgeschlossen wurde zudem eine Online-Umfrage zur Radverkehrsnutzung, an der sich weit über 1.000 Personen beteiligt haben. Ziel der Umfrage war es unter anderem, Informationen über die Radverkehrsnutzung und die gefahrenen bzw. gewünschten Radrouten zu gewinnen. Die hieraus gewonnenen Erkenntnisse fließen schließlich in die Entwicklung eines Vorrangnetzes für den Radverkehr in Landau ein.

Christoph Schulze, Fachgebietsleiter Verkehrsplanung und -technik bei der Transport Consult, arbeitet am Mobilitätskonzept Landau mit Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger.

Die Transport Consult erstellt mit dem Mobilitätskonzept einen Rahmenplan zur künftigen Mobilität in Landau. Er umfasst alle Verkehrsarten und berücksichtigt zusätzliche wichtige Aspekte wie Barrierefreiheit, Sicherheit, Elektromobilität und Multimodalität.  In allen Projektphasen von der Bestandsaufnahme über die Definition der Handlungsfelder und die Entwicklung von Maßnahmen bis zur Erstellung des integrierten Gesamtkonzepts findet eine aktive Bürgerbeteiligung statt. „Zum Projektstart wurde ein Workshop organisiert, in dem wir den Bürgerinnen und Bürgern das Projekt vorgestellt haben. Dann haben sie in Themengruppen an Plakatwänden zu den verschiedenen Verkehrsarten die Stärken und Schwächen identifiziert. Daraus ergeben sich die Handlungsfelder, die wir für die nötigen Maßnahmen definieren, zum Beispiel die Vervollständigung des Radwegenetzes oder auch Verbesserungen im ÖV“, berichtet Schulze. In einem weiteren Workshop wurden dann die Vorstellungen der Bürgerinnen und Bürger diskutiert. Das inhaltliche Spektrum reichte hierbei von konkreten Maßnahmenüberlegungen wie die Optimierung von Lichtsignalsteuerungen bis hin zu visionären Gedanken wie die Einrichtung eines bedarfsgesteuerten ÖV ohne festes Haltestellenkonzept oder die Nutzung von Lastenfahrrädern für städtische Lieferdienste. Im Dezember 2017 fand der bislang letzte Workshop zur Definition von Vorrangnetzen für den Kfz-, Rad- und Fußverkehr statt. Hier konnten die Bürgerinnen im gegenseitigen Austausch ihre Ideen zur Definition von geeigneten Achsen für die einzelnen Verkehrsarten einbringen.

Nach finaler Definition der Vorrangnetze und der daraus resultierenden Handlungsfelder werden als nächste Schritte Maßnahmen bzw. Maßnahmenpakete entwickelt und bewertet, um hieraus schließlich das integrierte Mobilitätskonzept für die Stadt Landau abzuleiten. Im Zuge der Maßnahmenuntersuchungen ist selbstverständlich auch wieder die aktive Einbindung der Öffentlichkeit vorgesehen. Geplant war ursprünglich, das Mobilitätskonzept bis Mitte 2018 fertigzustellen. Doch 2018 lässt die Stadt Landau eine große Haushaltsbefragung zur Mobilität durchführen. „Da ist es natürlich sinnvoll, diese wichtigen Grundlagenergebnisse im Mobilitätskonzept zu berücksichtigen“, so Schulze. Entscheidend für den Erfolg eines solchen Konzepts ist zum einen die angemessene Berücksichtigung sämtlicher verfügbarer Datengrundlagen und Informationen. Zum anderen ist durch die breite Diskussion des Mobilitätskonzepts in Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit sichergestellt, dass kein Dokument für die Schublade entsteht sondern ein konsensfähiger Rahmenplan für die zukünftige Gestaltung der Mobilität in der Stadt Landau als Grundlage für weiterführende Detailuntersuchungen.

„Eine aktive Beteiligung der Öffentlichkeit ist entscheidend für die Akzeptanz von Mobilitätskonzepten bzw. von Verkehrsprojekten im Allgemeinen,“ ist Schulze überzeugt.