Luftreinhaltung dank optimierter Ampelsteuerung

Verkehrsmanagementzentrale SIRAC in Straßburg: Wie sehr sich eine optimierte Ampelschaltung auf die Luftqualität auswirken kann, wurde von PTV simuliert. (Foto: SIRAC)

Diesel-Fahrverbot ja oder nein? Kurz vor der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig diskutiert ganz Deutschland über saubere Luft in unseren Städten. Das Thema Luftreinhaltung ist aber auch anderswo brandaktuell. Als erste Stadt in Frankreich, optimiert Straßburg jetzt seine Ampelsteuerung, um Emissionen einzudämmen. Im Interview erklärt unser Vice President Project Management & Services Frédéric Reutenauer, welche Rolle die PTV Group dabei Projekt spielt.

Compass: Frédéric, Straßburg kümmert sich ja schon seit einigen Jahren um das Thema saubere Luft …

Frédéric Reutenauer: Ja, in Frankreich gibt es seit 2015 ein Programm zur Luftreinhaltung. Strasbourg ist hier hier aktiv mit dem schönen Namen „Strasbourg – „Ville et Métropole respirable“. Das heißt übersetzt so viel wie „Atembare Stadt und Metropolregion“. In Städten ist der Stop-and-Go Verkehr ein großes Problem. Das permanente Anhalten und wieder Anfahren auf den verstopften Straßen lässt die Emissions-Belastungen stark ansteigen. In einer der konkreten Maßnahmen des Programms hat man deshalb die Verbesserungsmöglichkeiten im Straßenverkehrsmanagement, genauer gesagt in der Ampelsteuerung, unter die Lupe genommen.

Compass: Es gibt also weniger Emissionen, wenn der Verkehr an Ampeln flüssiger läuft?

Frédéric Reutenauer: Genau. Mit Hilfe einer optimierten Ampelsteuerung können Stopps und Anfahrmanöver und damit auch der Schadstoffausstoß deutlich verringert werden. Wie sich das konkret auswirkt, haben wir am Beispiel der Avenue de Colmar – das ist eine der Hauptverkehrsachsen mit sechs großen Kreuzungen im Süden der Stadt  –  in einer Simulation mit unserem Programm PTV Vissim gezeigt. Dabei lag die Wartezeit für alle Verkehrsteilnehmer an den durch unsere Softwarelösung PTV Epics gesteuerten Ampeln in 85 Prozent der Fälle unter 45 Sekunden. Heute trifft dies gerade mal auf 35 Prozent zu.“

Compass: Und bezüglich des Schadstoffausstoßes? Was waren da die Ergebnisse?

Frédéric Reutenauer: Dank der optimierten Ampelsteuerung kam es in unserer Simulation zu neun Prozent weniger Fahrzeugstopps, acht Prozent weniger Stickstoffoxid-Emissionen (NOx) und neun Prozent weniger Feinstaubbelastung PM10. Es gibt aktuell keine andere Maßnahme, die so einen großen Effekt erzielt.

Compass: Aber was genau ist der Unterschied zwischen der Ampelschaltung mit PTV Epics und der bisherigen Ampelsteuerung in Straßburg?

Frédéric Reutenauer: Wie in vielen anderen Städten hat in Straßburg die Straßenbahn immer den Vorrang vor allen anderen Verkehrsteilnehmern. Aktuell gibt die Ampelschaltung der Straßenbahn so früh wie möglich Grün – oftmals schon bis zu 15 Sekunden bevor sie überhaupt an der Ampel ankommt. PTV Epics schaltet die Zeitfenster dagegen in Echtzeit genau auf den Bedarf, so dass keine Grünzeit verloren geht und auch den anderen Verkehrsteilnehmern genügend Platz eingeräumt wird.

Frédéric Reutenauer, Vice President Project Management & Services, leitet das Projekt auf Seiten von PTV (Foto: PTV).

Compass: Welcher Aufwand steckt dahinter?

Frédéric Reutenauer: Diese Funktionalität ist ganz einfach in Betrieb zu nehmen. Unsere Software wird als zusätzliche Komponente in das bereits bestehende System eingebaut. Die Parametrisierung und der Betrieb sind wirklich unkompliziert.

Compass: Nach den guten Ergebnissen in der Simulation, geht das Ganze jetzt in die Praxisphase?

Frédéric Reutenauer:  Ja, wir haben die PTV-Technologie an den Knotenpunkten der Avenue de Colmar in die Systeme des Steuergeräteherstellers FARECO integriert. Die Testphase soll bis zum Sommer dauern, dann wird entschieden, auf welche weitere Stadtgebiete die neue Lichtsignalgebung ausgerollt werden soll.“