Intelligent und vernetzt: die Haltestelle der Zukunft

Die intelligente Haltestelle: Die PTV war in einem Forschungsprojekt zur smartStation beteiligt (Bild: raumobil GmbH).

Wie sieht die Haltestelle in der multimodalen, vernetzen Mobilitätswelt von morgen aus? Eineinhalb Jahre lang forschte die PTV Group gemeinsam mit der raumobil GmbH in dem vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur in Auftrag gegebenen F+E-Projekt „smartStation – Die Haltestelle als Einstieg in die multimodale Mobilität“ (FE-Nr. 70.918/2016) an diesem Thema. Im Interview erzählen Oliver Wolf von der raumobil GmbH, Annette Kindl aus dem PTV Research Team und Christian Reuter von der PTV Transport Consult GmbH von den Ergebnissen.

Compass: Unsere Mobilität verändert sich, wird immer vernetzter und multimodaler. Welchen Einfluss hat dies auf die Haltestelle der Zukunft?

Annette Kindl: Die Haltestelle ist schon heute der Dreh- und Angelpunkt im öffentlichen Verkehr. Es ist also klar, dass es im smarten Mobilitätsnetz von morgen auch smarte Haltestellen geben muss. Vor diesem Hintergrund war es das vorrangige Ziel des Forschungsprojekts, Visionen für die intelligenten Stationen zu entwickeln. Dabei sind „smartStations“ eine Weiterentwicklung konventioneller Haltestellen und Mobilitätsstationen.

Compass: Wann wird denn eine konventionelle Haltestelle zur smartStation?

Christian Reuter, Projektleiter bei der PTV Transport Consult GmbH (Foto: PTV).

Christian Reuter: Für den Nutzer wird eine Station dann smart, wenn sie auf ihn zugeschnittene, personalisierte Informationen und Services anbieten kann. Dafür müssen Mobilitätsangebote, Services und Infrastrukturelemente miteinander verknüpft werden. Es gilt also stationsspezifische und übergeordnete Daten und Informationen intelligent zusammenzubringen.

Oliver Wolf : Das heißt zum Beispiel, dass auch bisher analoge Elemente wie etwa Infoterminals, Fahrtreppen, Aufzüge oder Schließfächer kommunikationsfähig gemacht werden müssen. In der von uns entwickelten Vision werden diese Daten dann in Echtzeit über ein standardisiertes Protokoll in das smartStation-Netzwerk eingebunden.

Compass: Und der Nutzer loggt sich dann in dieses Netzwerk ein?

Annette Kindl: Genau, man meldet sich mit Hilfe einer App in der sogenannte Infosphere, also dem unmittelbaren Umfeld einer smartStation, an und kann auf diese Informationen und Services zugreifen. So können alle angebotenen Verkehrsmittel intelligent, energie- und kosteneffizient sowie komfortabel genutzt werden.

Compass: Wie würde das in der Praxis aussehen?

Oliver Wolf leitete das Projekt auf Seiten der raumobil GmbH.

Oliver Wolf: Die App könnte beispielsweise einem Pendler, der auf Grund von Verspätungen im ÖPNV seinen Anschluss verpasst hat, Reisealternativen wie freie Carsharing-Autos oder Mitfahrgelegenheiten anzeigen, sobald er an der smartStation ankommt.

Christian Reuter : Grundsätzlich ist es möglich Infrastruktur, Services und Angebote aller Art zu integrieren. Auch Informationen über Aufzugsstörungen zum Beispiel. Das kann für einen Rollstuhlfahrer, der den Nahverkehr nutzt, wichtig sein. Die Mobilitäts-App würde ihm bereits an seiner Starthaltestelle anzeigen, dass der Aufzug an der Umsteigestation gestört ist und ihm direkt eine Alternativroute vorschlagen. Wir haben in der Forschungsphase zahlreiche solche Anwendungsbeispiele ausgearbeitet, um die Praxistauglichkeit und Umsetzbarkeit der „smartStation“-Vision zu prüfen und zu bewerten.

Compass: Sind vernetzte Haltestellen denn nur in Städten umsetzbar?

Christian Reuter: Nein, unsere Idee ist es, die „smartStations“ modular aufzubauen. Je nachdem ob sie sich im urbanen oder ländlichen Raum befinden, lassen sich Anzahl, Ausgestaltung und Konfiguration der Module kombinieren bzw. variieren. So reicht das Spektrum von der einfachen ÖPNV-Haltestelle bis hin zum Hauptbahnhof einer Großstadt mit einer Vielzahl an smarten Infrastrukturelementen.

Compass: Was waren die wichtigsten Erkenntnisse der Forschungsarbeit?

Annette Kindl Projektleiterin aus dem PTV Research Team.

Annette Kindl : Wir konnten zeigen, welche vielfältigen Chancen, die Digitalisierung von Haltestellen mit sich bringt, aber auch welche Herausforderungen damit einhergehen. Es gibt viele verschiedene Standards, Plattformen und digitale Services, die technisch verbunden werden müssen. Zahlreiche Stakeholder aus unterschiedlichen Bereichen sind mit einzubinden. Die smartStation-Idee lebt zudem stark vom „Mitmachen“, das heißt alle Akteure wie Nutzer, Betreiber oder Serviceanbieter müssen bereit sein, Daten auszutauschen, sich zu vernetzen und zu kooperieren.

Oliver Wolf: Die Digitalisierung einer Haltestelle ist eine komplexe Aufgabe und lässt sich nicht einfach mit einem ein Standardplan umsetzen. Ich bin mir aber dennoch sicher, dass smartStations kommen werden. Wir haben mit unserem Forschungsprojekt erste Einschätzungen vorgenommen und den Diskurs über die Digitalisierung der Stationen begonnen. Jetzt gilt es diesen mit den relevanten Akteuren fortzuführen, die Idee konzeptionell auszugestalten und im Rahmen von Pilotprojekten in die Umsetzung zu bringen. Erste konkrete Schritte wurden da schon in die Wege geleitet: Aktuelle F+E Projekte entwickeln zum Beispiel Schnittstellen zur Kommunikation an Haltestellen. Es bleibt also spannend.

Weitere Informationen finden Sie in der smartStation Broschüre.