Eine Frau, eine Mission: Weltweit mehr Sicherheit auf den Straßen

Sofia Salek de Braun, Verkehrssicherheits-beauftragte der PTV, ist eine gefragte Rednerin auf Konferenzen. Hier in Sao Paulo, Brasilien.

„Transport –  Safety and Security“ ist das diesjährige Motto des Internationalen Transport Forums (ITF) in Leipzig.  Ein wichtiges Thema, das auch bei der PTV einen hohen Stellenwert einnimmt. So wurde im September 2017 die Position des Solution Director Traffic Safety geschaffen und von Sofia Salek de Braun übernommen. Sie engagiert sich im Unternehmen bereits seit mehreren Jahren für mehr Sicherheit auf den Straßen und sieht einen großen Teil ihrer Aufgabe darin, die Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren.

Compass: Sofia, da ist für dich nicht nur beruflich, sondern auch privat eine Herzensangelegenheit. Was treibt dich da an?

Sofia Salek de Braun: Ich komme ursprünglich aus Bolivien. Bei einem Besuch meiner Familie im Dezember 2015 veränderte ein Verkehrsunfall mein Leben. So etwas Schmerzvolles sollte keine Familie durchleben müssen, denn Unfälle kann man vermeiden. Die Situation auf den Straßen meines Heimatlandes konnte ich so nicht länger akzeptieren und habe damals mit viel Unterstützung der PTV ein Verkehrssicherheitsprojekt in Bolivien gestartet. Ich bin heute noch persönlich als Beraterin in dem Projekt tätig.

Compass: Mit großem Erfolg. Seit letztem Jahr widmest du dich als Verkehrssicherheitsbotschafterin von PTV voll und ganz dem Thema und bist seitdem sehr viel unterwegs.

Sofia Salek de Braun: Ja, es tut sich sehr viel in diesem Bereich und wir arbeiten in zahlreichen spannenden Projekten und Initiativen mit.

Compass: … unter anderem warst du Anfang des Jahres Keynote Rednerin, als in Washington die Weltbank, Global Road Safety Facility (GRSF) und Bloomberg Philanthropies den neuen Report „The High Toll of Traffic Injuries: Unacceptable and Preventable“

Sofia Salek de Braun: Es war mir eine große Ehre, dort sprechen zu dürfen. Die Teilnehmer dort waren auf höchstem Niveau – Menschen, die richtig was bewegen können. Das ist natürlich eine tolle Gelegenheit, seine Botschaft zu platzieren. Ich habe nach dieser Keynote viel positives Feedback bekommen, was mir viel Energie für meine Arbeit zurückgegeben hat. Es haben sich dadurch neue Türen geöffnet. Ich bin unter anderem nach Brasilien eingeladen worden, wo in den Städten Sao Paulo und Fortaleza gerade aktiv an der Verbesserung des Straßenverkehrssicherheitskonzepts gearbeitet wird.

Sofia Salek de Braun, PTV Road Safety Botschafterin, bei der Konferenz Tranformin Transport, gemeinsam mit Enrique Peñalosa, dem Bürgermeister von Bogota, Kolumbien.

Compass: Kannst du noch ein paar Beispiele für aktuelle Projekte, an den PTV beteiligt ist, erzählen?

Sofia Salek de Braun: Wir arbeiten beispielsweise mit der Newcastle University an einem Road Safety Projekt in Lissabon. In München waren die Kollegen der PTV Transport Consult an einer Studie zur Ermittlung des Ist-Zustands im Straßenverkehr beteiligt, deren Ergebnisse jetzt in ein neues Verkehrssicherheitskonzept fließen. Die Stadt Basel arbeitet seit kurzem mit einem Verkehrsmodell in PTV Visum, das Unfallhäufungsstellen und kritische Straßenabschnitte mit erhöhter Unfallgefahr (Unfallschwerpunkte) zeigt. Die Unfälle und Netzdaten werden dann zur Unfallprognose und -analyse herangezogen. Im April haben wir zudem bei uns im Headquarter in Karlsruhe das erste PTV Verkehrssicherheitsforum  mit zahlreichen Experten aus Städten, von der Polizei, der Industrie und Organisationen wie dem Fraunhofer Institut veranstaltet.

Compass: Du arbeitest aber auch eng mit dem Internationalen Transport Forum (ITF) zusammen?

Sofia Salek de Braun: Ja, das ITF ist ein enger Partner. Ich war unter anderem im April beim 3.Treffen des „Safer City Streets“ Netzwerks des ITFs in Rom dabei, einer Plattform von Road Safety Experten, die mit Städten daran arbeiten, eine globale Datenbank für urbane Verkehrssicherheit und Mobilität aufzubauen. Außerdem habe ich am CBP Report „Safer Roads with Automated Vehicles“ mitgearbeitet, bei dem es um die Sicherheit im Straßenverkehr im Zuge der Einführung von autonomen Fahrzeugen geht. Die Behauptung, dass durch die Eliminierung menschlicher Fehler ca. 90 Prozent aller tödlichen Unfälle verhindert werden könnten, ist unerprobt. Gerade in der Übergangszeit, wenn fahrerlose und konventionelle Autos rollen werden, ergeben sich erst mal neue Gefahren. Die Anzahl der Verkehrsunfälle könnte sogar in dieser Transitionsphase zunehmen. Viele Experten sind der Meinung, dass man sich damit abfinden muss, dass Menschen dabei sterben werden. Ich finde, dass das der falsche Ansatz ist. Die Technologie darf nicht über Menschenleben stehen. Deshalb müssen wir vorab mit allen nur möglichen Maßnahmen das Risiko geringhalten. Obwohl das Potential groß erscheint, dass langfristig automatische Fahrsysteme zu weniger Unfällen beitragen könnten, gibt es viele Unbekannten die noch geklärt und geregelt werden müssen. Zu allererst: der Schutz und die Sicherheit der Mensch muss im Vordergrund stehen.

Der CBP Report „Safer Roads with Automated Vehicles“  wird während es Weltverkehrsforums, am 23.05.2018 um 10.00 Uhr im Pressecenter vorgestellt.