US-Konferenz zu Kosten-Nutzen-Analysen im Verkehrssektor

Prof. Dr. Christoph Walther, PTV Head of Global Research (2. von links), stellte in Washington die Methodenentwicklung und Projektbewertung für den Bundesverkehrswegeplan 2030 vor.

Wie können Kosten und Nutzen bei Verkehrs- und speziell Infrastrukturprojekten berechnet werden? Dieser Frage widmete sich unser Head of Global Research, Prof. Dr. Christoph Walther, in seinem Vortrag bei der Jahrestagung der American Society for Benefit Cost Analysis im März in Washington. Als ehemaliger Fachkoordinator des Bundesverkehrswegeplans 2030 wurde er von der US-Gesellschaft als Gastredner eingeladen und stellte in der Sektion Infrastrukturbewertung die Methodenentwicklung und Projektbewertung für das zentrale Planungsinstrument der deutschen Verkehrspolitik vor.

„In Deutschland werden Nutzen-Kosten-Analysen im Verkehrssektor meist nur als Ex-ante-Analyse, also vor Realisierung im Rahmen des Planungsprozesses durchgeführt“, erklärt Prof. Dr. Christoph Walther. „Weil es für die Politik immer schwierig ist, wenn Maßnahmen, in die investiert wurden, nicht ihre Ziele erreichen, oder die Ziele erreicht werden, aber die Maßnahme dafür offensichtlich nicht ursächlich ist, gehören rückwirkende Ex-post-Bewertungen in Deutschland dagegen nicht zum Standard der Planungsprozesse.“

Ganz anders in den USA. Dort werden alle gesetzlichen Vorhaben mit Nutzen-Kosten-Analysen vor der Einführung bewertet bzw. ihre Auswirkungen berechnet, um sie ggf. noch anpassen zu können. Darüber hinaus findet eine retrospektive Bewertung statt, um die erhofften Wirkungen bzw. das Erreichen der gesamtwirtschaftlichen Ziele zu überprüfen.

„Diese Unterschiede machen den Wissensaustausch über den Atlantik hinweg natürlich sehr spannend. Die Teilnehmer der Konferenz waren sehr interessiert daran zu erfahren, was auf dem Gebiet der Bewertung neuer Verkehrsinfrastruktur bei uns in Deutschland passiert. Ich habe aus diesem Grund den Vortrag zu den Bewertungsmethoden in den Kontext des Gesamtprozesses der BVWP gestellt“, erzählt der PTV-Wissenschaftler. „Es gibt aber auch Überschneidungen und gemeinsame wissenschaftliche Anstrengungen. Die USA müssen zum Beispiel eigenständige Infrastrukturplanungen in den Bundesstaaten und eine übergeordnete nationale Planung unter einen Hut bringen – ähnlich wie bei uns in den Bundesländern. Und auch im Bereich der Definition und Bewertung von Zuverlässigkeit in Verkehrssystemen gibt es sehr ähnliche Forschungen. So hat sich nach meinem Vortrag eine sehr ausführliche und interessante Diskussion entwickelt.“

Der Kontakt zur American Society for Benefit Cost Analysis entstand im Technical Committee „Road Infrastructure Investment and Social Development“ der World Road Association, dem Prof. Dr. Walther ebenfalls angehört.