Verkehr und Umwelt – Hand in Hand für reinere Luft

Verkehr und Umwelt beleuchtet Dr. Volker Waßmuth, Bereichsleiter bei der PTV Transport Consult  im Interview. Foto: PTV

Studien zu Maßnahmen für die Luftreinhaltung haben derzeit Hochkonjunktur. Der Verkehr spielt dabei eine wesentliche Rolle. Einige Städte sind besonders belastet und erarbeiten Green City Pläne, um mit passenden Maßnahmen der Luftverschmutzung entgegenzuwirken. Der Bund, aber auch viele Kommunen und Regionen arbeiten mit Hochdruck an der Reduktion von Treibhausgas-Emissionen. Unser Experte Dr. Volker Waßmuth ist Verkehrsplaner und verantwortet den Bereich Verkehrsplanung und -technik bei der PTV Transport Consult GmbH. Er gibt uns einen Einblick hinter die Kulissen.

Compass:  Die PTV Group ist dafür bekannt, Experte für das Thema Verkehr zu sein. Wie ist es mit dem Know-how zum Thema Umwelt und Klimaschutz bestellt?

Volker Waßmuth: Die PTV Group macht seit 40 Jahren Verkehrsuntersuchungen und Verkehrskonzepte. Die Auswirkungen auf die Umwelt sind schon immer ein wichtiger Bestandteil unserer Verkehrsuntersuchungen, seien sie nun für die Straße, die Schiene oder das Fahrrad.

Bei den aktuellen Umweltthemen geht es ganz stark fokussiert um die Frage der Luftreinhaltung und des Klimaschutzes, methodisch ist das aber nichts Neues.

Compass: Und auf welcher Grundlage werden solche Studien erstellt?

Volker Waßmuth: Wir arbeiten hier auf dem neuesten Stand der Technik. Dies stellen wir sicher, indem wir einen hohen wissenschaftlichen Bezug in unseren Methoden haben und immer die neuesten Methoden für unsere Studien einsetzen. Wir arbeiten aktiv in der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen mit, in der es darum geht, die Standards zu entwickeln und Empfehlungen zu geben.

Compass: Wie eng ist denn die Verbindung mit der Wissenschaft?

Volker Waßmuth: Unsere Studien haben immer auch einen wissenschaftlichen Anspruch. Die PTV stammt ja aus der Wissenschaft und ist seitdem eng mit ihr verbunden – seit ihrer Gründung als Spin-of der Karlsruher Universität (dem heutigen KIT). Wir versuchen kontinuierlich innovative Fortschritte zu erzielen, um diese dann in unseren Projekten anzuwenden und umzusetzen. Diese Erfahrungen teilen wir dann auch mit der wissenschaftlichen Community, die diese dann wieder weiterverwenden kann.

Compass: Wie kann sich PTV da von anderen Beratern abheben?

Volker Waßmuth: 1. Unser wissenschaftlicher Hintergrund. Wir arbeiten mit vielen Hochschulen zusammen und wir sind in zahlreichen Forschungsprojekten engagiert. Wir entwickeln selbst an Methoden mit.
2. Wir nutzen die marktführende Software unserer Firmengruppe und können so eine deutlich höhere Detaillierung in unseren Untersuchungen vornehmen.
3. Wir verfügen über große Markterfahrung. 2.500 Städte setzen bereits auf PTV. Wir kennen die Anforderungen und Vorgehensweise für Studien unterschiedlicher Art. Von kleineren Gemeinden bis zu Metropolregionen. Von Malsch-Muggensturm bis ganz Europa.

Compass: Und wie wird diese höhere Detaillierung in den Untersuchungen erzielt?

Volker Waßmuth: Gerade bei den Klimaschutz- und Luftreinhalte-Themen gibt es sehr viele Gutachten, die nur sehr pauschal und über den Daumen gepeilt, Wirkungen ermitteln. Durch die Methoden der PTV, insbesondere der streckenfeinen Abbildungen in PTV Visum (Software zur makroskopischen Verkehrsplanung) und der fahrzeugfeinen Abbildungen in PTV Vissim (Software zur mikroskopischen Verkehrssimulation), sind wir in der Lage, die Auswirkungen auf die Umwelt und andere Faktoren dort zu quantifizieren wo sie entstehen, nämlich im Straßennetz. Andere Untersuchungen basieren nur auf Thesen, wie „wir erhöhen den Radanteil um x Prozent und dann ziehen wir den gleichen Anteil beim Auto dafür ab“. Wir weisen dies hingegen detailliert auf der Ebene der jeweiligen Verkehrsnetze aus. Dafür brauchen wir unsere Tools, um die Wirkung in einem Verkehrsmodell zu berechnen.

Compass: Als neutraler Gutachter zu arbeiten, erfordert Transparenz darüber, wie Ergebnisse zustande kommen. Wie wird das gewährleistet?

Volker Waßmuth: Unsere Arbeitsweise hat sich seit vier Jahrzehnten etabliert und ist im Markt anerkannt. Denn: Als Verkehrsberater der PTV bekennen wir uns zu einer hohen Datentransparenz. Das ist für uns ein wichtiges Element der Qualitätssicherung. Wie Ergebnisse zustande kommen, ist also durch den Einblick in die Datengrundlage transparent nachvollziehbar.

Compass: Gibt es da aktuelle Beispiele?

Volker Waßmuth: Jede Menge, zum Beispiel erstellen wir derzeit im Rahmen der VDA-Initiative Studien für die Städte Kiel, Heilbronn, Ludwigsburg und Hannover. Alle Städte erhalten die von uns aufbereiteten Verkehrsmodelle – da ist die Datenweitergabe voll gegeben. Diese Transparenz ist das, was wir leben, das steckt in der DNA der PTV Group.

Maßnahmen-Ebenen und Wirkungszusammenhänge. Bild: PTV Transport Consult

Compass: Wie sehen konkrete Ergebnisse aus, die PTV dann liefert?

Volker Waßmuth: Im Kern unserer Arbeit steht die Wirkungsermittlung. Das heißt, wir untersuchen Maßnahmen, Konzepte und Ideen sowie deren Wirkung auf das, was gerade relevant ist: auf CO2-Emissionen, auf Feinstaubpartikel, auf Luftschadstoffe, und eben auch auf Fahrleistungen und ähnlichen; also auf alle verkehrlichen und umweltrelevanten Kenngrößen. Diese bereiten wir auf. Vereinfacht gesagt liefern wir am Ende eine große Tabelle, in der dann pro Maßnahme die Wirkung dargestellt ist, sowie eine Einschätzung, welche Maßnahme warum sinnvoll ist.

Compass: Und welchen Einfluss haben Politik und Auftraggeber auf Ergebnisse?

Volker Waßmuth: Grundsätzlich beleuchten wir alle verkehrlichen Aspekte und deren Auswirkungen. Am Ende entscheidet aber die Politik was davon umgesetzt wird und was nicht. Wir sind schon sehr lange im Verkehrsberatungsgeschäft und arbeiten mit Entscheidern jedweder politischen Couleur zusammen. Wir beraten grüne oder schwarze Ministerien, genauso wie rote Städte – wer die PTV beauftragt weiß, er bekommt ein objektives Gutachten.