Die Marke PTV: So wurde der Rohdiamant zum Funkeln gebracht

Kristina Stifter, Head of Global Communications, ist seit 1995 Teil der PTV-Familie.

Seit 1979 gestalten wir die Zukunft: Die PTV Group feiert 2019 ihr 40-jähriges Jubiläum. Aus diesem Grund widmen wir uns im Blog das ganze Jahr über Themen, die uns in diesen vier Jahrzehnten bewegt haben und natürlich auch weiterhin bewegen. So haben wir uns mit Kristina Stifter, Head of Global Communications, zum Interview getroffen. Sie war nicht nur die erste Frau in einer Führungsposition im Unternehmen, sondern hat als eine der ersten BWLerinnen die Marke PTV mit aufgebaut. Über diese spannende Reise haben wir mit ihr im Interview gesprochen.

Compass: Kristina, du bist seit 1995 Teil der PTV-Familie. Machen wir eine kleine Zeitreise: Wie war deine erste Zeit im Unternehmen?

Kristina Stifter: Als ich angefangen habe, war die PTV noch in verschiedene GmbHs aufgeteilt. Es gab eine GmbH für Verkehrsplanung, eine Gesellschaft nur für die Forschung. Ich bin im Bereich Logistik mit dem Auftrag gestartet, das Marketing und die Presse zu professionalisieren. Von den ca. 50 Kollegen waren die meisten Ingenieure oder Wissenschaftler. Das heißt alle waren sehr technologie- und produktverliebt. Es galt also erstmal zu überzeugen, dass Marketing und Pressearbeit einen wirklichen Mehrwert haben.

Compass: Was waren deine ersten Projekte?

Kristina Stifter: Erstmal ganz grundlegende Dinge, wie zum Beispiel Produktbeschreibungen zu erstellen. Das gab es nämlich nicht. Es gab die Software, vielleicht noch das ein oder andere Handbuch mit sehr technischen Inhalten, aber kein erklärendes Material. Das haben wir aber dringend für die Kundenakquise und Messen benötigt. Wenn ich mir heute vorstelle, wie langwierig es war, mit den Ingenieuren, die gerne alle Details der Software beschrieben haben wollten, die Texte abzustimmen (lacht). Sich auf die Kernaussage in der Überschrift zu einigen, war stets eine Herausforderung.

Heute stehen die Consumer Routenplaner von Falk und Marco Polo im PTV-Museum

Compass: Messen spielten schon damals eine wichtige Rolle …

Kristina Stifter: Ja, wir waren zeitweise auf bis zu 80 Messen und Veranstaltungen pro Jahr vertreten. Das Release von neuen Produkten wurde auf wichtige Events hin abgestimmt, um sie dann dort vorzustellen zu können. Das war immer sehr spannend. Ich erinnere mich besonders gut an eine meiner ersten Messen, die ITB in Berlin. Wir haben dort den ersten Routenplaner auf digitalen Karten vorgestellt. Das war damals ein Riesending! So etwas gab es davor einfach nicht. Mit unserer Technologie hat Mairs Geografischer Verlag dann den ersten Consumer Routenplaner als CD für seine Marken Falk und Marco Polo auf den Markt gebracht.

Compass: 1999 entstand aus den verschiedenen GmbHs dann die PTV AG.

Kristina Stifter:  Mit der Gründung der Aktiengesellschaft starteten wir unser erstes großes Markenprojekt, mit dem Ziel, alles unter einem Dach zu bündeln, eine einheitlichere Außendarstellung zu schaffen und die verschiedenen Produktlogos zu vereinheitlichen. Die Unternehmensmarke PTV war geboren mit rotem Schweif als Symbol für den Plattformgedanken.  Aus dem Logozusatz „solutions for traffic“ wurde später „traffic mobility logistics“ als Beschreibung unserer drei Geschäftsfelder.

Compass: Um diese Zeit nahm dann auch das Kundenmagazin Compass an Fahrt auf, oder?

Kristina Stifter: Das Printmagazin Compass haben wir bereits 1998 eingeführt. Es war das erste übergreifende Medium, das sich nicht nur auf ein Produkt bezogen hat, sondern das Gesamtspektrum der PTV näherbringen wollte. Zum Start der AG half das Kundenmagazin dabei, eine größere Einheit zu schaffen. Aus jedem der unterschiedlichen Bereiche gab es interessante Geschichten. Es war schon immer mein Anliegen, nicht nur das Produkt im Vordergrund zu sehen, sondern den Kunden, den Anwendungsfall oder das konkrete Projekt. Das gilt auch heute noch für unseren Blog. Ich möchte zeigen, was bei der PTV passiert, welche spannenden Geschichten aus unserem Unternehmen kommen.

  • Das erste Logo der PTV in den 1980ern.

Compass: Den letzten großen Relaunch der Marke PTV gab es 2012 …

Kristina Stifter:  Ein Jahr zuvor endete bei PTV eine Ära. Gründer Hans Hubschneider übergab die Geschäfte an einen neuen CEO, Vincent Kobesen. Vincent kam zu mir und sagte, dass er gerne ein neues Logo hätte. Damit stellte sich die Frage, was dieses neue Logo eigentlich aussagen sollte.

Compass: Und dann habt ihr das gleich richtig angepackt?

Kristina Stifter: Ja, die Zeit war reif. Wir haben einen professionellen Corporate Identity (CI) Prozess daraus gemacht, um festzulegen, für was die PTV steht und was unsere Werte sind. Zu dieser Zeit hatten wir noch immer das Problem, dass die Themenbereiche der alten GmbHs weiterhin getrennt gesehen wurden. Der eine hat die PTV als Logistiktechnologielieferanten wahrgenommen, der andere als Verkehrsplanungsbüro. Vincent war da stets der Visionär, der PTV als Ganzes stark und klar führen wollte. Im Laufe des Prozesses hat sich gezeigt, dass wir uns trotz Unterschiede gemeinsam prägnanter am Markt positionieren können. Alles zahlt auf die neue Dachmarke PTV Group ein, auf weitere Logos wurde verzichtet. So kam letztendlich der wunderbare Leitsatz The Mind of Movement zustande, mit dem sich jeder bei der PTV identifizieren kann.

Compass: Kannst du diesen etwas genauer erklären?

Kristina Stifter:  Wir, die PTV Group, sind der clevere Kopf, der im Hintergrund dafür sorgt, dass alles was unterwegs ist – seien es Menschen oder Güter – rechtzeitig, sicher und ressourcenschonend ankommt. Damit erzählen wir den Mehrwert der PTV, beschreiben unser gesammeltes Know-how in allen Facetten von Verkehr.

Compass: Dann war der CI-Prozess nach außen und nach innen ein voller Erfolg?

Kristina Stifter: Das kann man so sagen! Intern haben wir es geschafft, die Kolleginnen und Kollegen mitzunehmen. Wir sind weggekommen von den eingeschworenen, abgegrenzten Teams, hin zu einer durchlässigeren, agilen Unternehmenskultur. Es ist mir auch weiterhin wichtig, Kolleginnen und Kollegen in Sachen Marke mitzunehmen. Schließlich ist jeder ein Markenbotschafter – bewusst oder unbewusst. Deshalb gibt es für PTV-Neulinge während der Einführungsveranstaltungen immer einen Part zum Thema Markenverständnis. Ich denke, wir können heute sagen, dass die meisten PTVler stolz darauf sind, Teil von The Mind of Movement zu sein.

Nach außen sind wir durch den professionellen, profunden Markenauftritt noch einmal in eine ganz andere Liga aufgestiegen. Bis dahin waren wir ein Hidden Champion, der ganz viel kann und wenig davon zeigt. Quasi ein Rohdiamant. Mit dem Relaunch haben wir zu funkeln und zu strahlen angefangen und uns nicht mehr gescheut, auch auf den großen Bühnen präsent zu sein und mitzuspielen. Und das hat ja dann mit dazu geführt, dass die Porsche Automobil Holding SE letztlich auf uns aufmerksam geworden ist.