Großveranstaltungen: Mehr Sicherheit durch virtuelle Simulation

Die PTV Transport Consult ist ein gefragter Partner, wenn es um die Erstellung von Verkehrs- und Sicherheitskonzepten geht.

Konzerte, Straßenfeste, Fußballspiele – wenn mehrere Zehntausend Menschen bei einer Großveranstaltung aufeinandertreffen, sind verlässliche Sicherheitskonzepte für die Veranstalter unerlässlich. Verkehrliche Abläufe sind dabei ein wesentlicher Bestandteil. Im Interview haben wir mit den Experten der PTV Transport Consult auf diesem Gebiet, Daniel Muthmann und Jan Malik, darüber gesprochen, wie sich die Sicherheit und Mobilität rund um Events gewährleisten lassen.

Compass: Die PTV Transport Consult ist ein gefragter Partner, wenn es um die Erstellung von Verkehrs- und Sicherheitskonzepten für Events geht. Wie könnt ihr dabei unterstützen?

Jan Malik: Wir sind da breit aufgestellt. Wir planen und konzipieren die Abläufe aller Verkehrsarten im Zusammenhang mit Großveranstaltungen. Ein wichtiger Aspekt ist zum Beispiel die sichere An- und Abreise. Wenn bei einem Rockkonzert mit 80.000 Besucher plötzlich alle mit dem Auto, Bus oder Bahn in Richtung Veranstaltungsstätte pendeln, hat das natürlich gravierende Auswirkungen auf das Straßen- und Wegenetz. Wir konzipieren beispielsweise veranstaltungsbezogen Verkehrsführungs- und Parkraumkonzepte, und bestimmen Bedarfskapazitäten im ÖPNV und prüfen diese Ansätze hinsichtlich Leistungsfähigkeiten. Unser großer Vorteil besteht darin, dass wir im klassischen Verkehrswesen zu Hause sind, gleichzeitig viele Erfahrungen bei Veranstaltungsverkehren haben und die von uns erarbeiteten Maßnahmen multimodal in Simulationen abbilden können.

Jan Malik, Leiter der Niederlassung Düsseldorf bei der PTV Transport Consult.

Die Fragestellungen sind da von Veranstaltung zu Veranstaltungen ganz unterschiedlich. Bei einem Verkehrskonzept, das wir in Dortmund veranstaltungsbezogen erstellt haben, ging es zum Beispiel nicht nur um den Signal-Iduna-Park, wo die Fußballspiele des BVB stattfinden, sondern zusätzlich um das nebenan liegende Messezentrum Westfalenhalle. Was bedeutet es für den Verkehrsablauf, wenn dort parallel oder zeitversetzt Veranstaltungen stattfinden und mit welchen Maßnahmen kann man einen sicheren An- und Abreiseverkehr an beiden Stätten gewährleisten? Wir helfen, auf solche Fragen Antworten zu finden.

Daniel Muthmann: Besonders war auch der Fall, den wir vor ein paar Jahren hier in Düsseldorf hatten: Beim Konzert der Boyband One Direction waren die Besucher hauptsächlich Teenager, die von ihren Eltern gebracht und abgeholt wurden. Da galt es natürlich noch mal ganz andere Aspekte zu beachten, zum Beispiel wo spezielle Pickup- und Drop-Off-Plätze eingerichtet werden.

Compass: Auf der anderen Seite geht es dann um die Sicherheit der Fußgänger rund um das Eventgelände …

Jan Malik: Ja, wir sind auch im Crowd- und Queuing-Management aktiv, damit sich keine Menschentrauben bilden oder es zu lange und unübersichtliche Schlangen gibt und erstellen darüber hinaus Entfluchtungs-und Evakuierungskonzepte.

Compass: Und welche Werkzeuge kommen dafür zum Einsatz?

Daniel Muthmann, ist bei der PTV Transport Consult für Simulationen mit PTV Vissim zuständig.

Daniel Muthmann: Die Fußgänger-Simulationssoftware der PTV Group PTV Viswalk ist für uns von elementarer Bedeutung. Damit können wir zum Beispiel Besucherströme analysieren und die Besucherlenkung optimieren. Dabei geht es nicht nur um die schnellstmögliche Leerung der Veranstaltungsstätte im Notfall, sondern auch um ganz „normale“ Zu- und Abströme beispielsweise mit getrennter Fanführung bei Fußballspielen.

Compass: Was ist der Vorteil einer virtuellen Simulation?

Jan Malik: Wo viele Menschen aufeinander treffen, wird es schnell unübersichtlich. Intuition reicht da meistens als Entscheidungsgrundlage nicht aus. Mit Hilfe von Software-Simulationen können Problemstellungen herausgearbeitet, verschiedene Szenarien überprüft und damit Schwachstellen sehr schnell aufgedeckt werden. Und das Ganze im Zusammenspiel von Fußgängern und Fahrzeugen. Das hilft dann dabei, Optimierungsmaßnahmen zu erarbeiten.

Daniel Muthmann: Die Betreiber von Fußballstadien müssen beispielsweise bestimmte Evakuierungszeiten nachweisen.  Solche Evakuierungsszenarien zu planen ist eine komplexe und verantwortungsvolle Aufgabe, die ohne die professionellen Werkzeuge zur Fußgängersimulation kaum zu erfüllen ist. Wenn das Stadion jetzt auch für Konzerte genutzt werden soll und die Besucher die Rasenfläche einnehmen, ergeben sich völlig neue Laufwege und damit auch andere Entleerungszeiten. Mit Hilfe der Simulation kann man erkennen, an welchen Notausgängen es eng wird, welche eher ungenutzt bleiben und dann mit entsprechenden Maßnahmen gegenlenken.

Jan Malik: Manchmal kommt es auf Kleinigkeiten an: Der Versetzung einer Pommes- oder Würstchenbude um ein paar Meter, kann schon Einfluss auf Rückstaus im Evakuierungsfall haben.

Daniel Muthmann: Übrigens kann man per Simulation sogar unterschiedliche Altersgruppen berücksichtigen. Bei einem Konzert von André Rieu sind die Gehgeschwindigkeiten der Besucher dann anders hinterlegt als beim Konzert einer Teenie-Band. Die in PTV Vissim erstellten Animationen können genutzt werden, um dem jeweiligen Veranstalter oder den Behörden den Räumungsablauf zu verdeutlichen. Mit Hilfe von umfangreicheren gestalteten Modellen kann dieser zudem für Besucher visualisiert werden.

Compass: Welche Faktoren spielen sonst noch eine Rolle, wenn es um die Erstellung eines Sicherheitskonzepts geht?

Jan Malik: Zum einen spielen die Erfahrungen des Veranstalters und des Betreibers natürlich eine maßgebliche Rolle. In vielen Fällen arbeiten wir zusätzlich mit klassischen Veranstaltungsberatern zusammen und stimmen uns mit anderen Trägern wie etwa der Polizei oder Feuerwehr ab. Außerdem können wir bei der PTV Transport Consult auf zahlreiche Praxiskenntnisse zurückgreifen, die wir in Forschungsprojekten auf diesem Gebiet gesammelt haben, zum Beispiel am Verbundprojekt „BaSiGo – Bausteine für die Sicherheit von Großveranstaltungen“, das nach dem Unglück bei der Loveparade initiiert wurde. 

Compass: Denkt ihr, dass das Thema Eventsicherheit nach der Loveparade noch an Bedeutung zugenommen hat?

Daniel Muthmann: Definitiv. Das Thema ist stärker in den Fokus gerückt und Veranstalter sind heute viel stärker sensibilisiert, schon im Vorfeld in die Erstellung von Sicherheitskonzepten zu investieren. Die beste Analyse und Planung bringt aber nur etwas, wenn die daraus entstehenden Maßnahmen und Handlungsempfehlungen auch umgesetzt werden.