Forschungsprojekt SIRENE: Grüne Welle für Rettungsfahrzeuge


Das Projektteam von SIRENE entwickelt ein Navigationssystem speziell für Einsatzfahrzeuge sowie ein Sonderprogramm für Ampelanlagen, 

„Als erste Stadt in Deutschland führt die Feuerwehr Braunschweig ein ,digitales Blaulicht‘ ein“, berichtet kürzlich die Braunschweiger Zeitung. Bei dieser Innovation handelt es sich um ein Zwischenergebnis, des Forschungsprojekts SIRENE, an dem auch die PTV Group beteiligt ist.  Was sich genau dahinter verbirgt, haben wir bei Silke Forkert aus dem PTV Research Team und Florian Weichenmeier, der das Projekt bei PTV von technischer Seite begleitet, nachgefragt.

Compass: Erklärt doch erst mal kurz, um was es bei SIRENE eigentlich geht.

Silke Forkert: SIRENE ist ein Forschungsprojekt, das vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) beauftragt wurde. Dabei gehen wir der Fragestellung nach, wie Sicherheits- und Rettungsfahrzeuge durch verschiedene Maßnahmen wie Grüne Wellen und optimiertes Routing schneller ans Ziel kommen. Gerade in urbanen Gebieten kommen sie häufig nicht so gut durch, weil der Verkehr stockt oder Baustellen auf dem Weg liegen. Zwar dürfen rote Ampeln mit Blaulicht und Sirene überfahren werden, das gefährdet aber den Querverkehr. So ist eines der Ziele des Projekts, ein Navigationssystem speziell für Einsatzfahrzeuge zu entwickeln, dass selbst kurzfristige Verkehrsänderungen in die Routenplanung mit einbezieht.

Compass: In Braunschweig wurde jetzt im Zuge des Projekts das digitale Blaulicht eingeführt. Was ist das?

Florian Weichenmeier: Die Rettungsfahrzeuge senden über die sogenannte V2X-Kommunikation, einer speziellen Funktechnologie, die Fahrzeuge mit anderen Fahrzeugen oder der Verkehrsinfrastruktur vernetzt, Nachrichten an alle Fahrzeuge in der Nähe aus. So werden die Fahrer über ein Display im Auto frühzeitig auf die Einsatzfahrzeuge aufmerksam gemacht, noch bevor diese gesehen oder gehört werden, und können ausweichen oder sich in die Rettungsgasse einreihen.

Compass: Was ist die Aufgabe der PTV bei SIRENE?

Florian Weichenmeier: Unsere Software PTV Epics kommt bei der Steuerung der Ampeln zum Einsatz. Diese Technologie ermöglicht eine verkehrsadaptive Signalsteuerung, um zum Beispiel Stop-and-Go zu reduzieren und den innerstädtischen Verkehr besser im Fluss zu halten. Für SIRENE passen wir die Software so an, dass Sicherheits- und Rettungsfahrzeuge priorisiert werden.

Die Fahrzeuge teilen über V2X-Kommunikation mit, dass sie freie Fahrt benötigen. Unsere Software stellt die Ampeln dann entsprechend auf Grün, dass sie möglichst ohne Abbremsen über die Kreuzungen fahren können. Damit erhöhen wir die Sicherheit an der Kreuzung und verkürzen die Zeit, bis das Fahrzeug am Einsatzort eintrifft.

Florian Weichenmeier begleitet das Projekt bei der PTV von technischer Seite.

Compass: Wie weit sind wir da? Kommt das Ganze ebenfalls schon zum Einsatz?

Florian Weichenmeier: Wir haben PTV Epics schon um die nötigen Funktionalitäten erweitert und erproben das Ganze aktuell in einer Simulation mit PTV Vissim. Der reale Testlauf ist dann an einer Lichtsignalanlage in Braunschweig geplant. Unsere Projektpartner bauen dafür ein Gesamtsystem auf, das von der Kommunikationseinheit im Fahrzeug, der On-Board-Unit (OBU), über Roadside-Units an den Lichtsignalanlagen bis zu einer zentralen Routenberechnung und Meldungsweitergabe an den Verkehrsrechner die gesamte Kommunikationskette abdeckt. Bis zu 35 weitere Lichtsignalanlagen mit herkömmlichen Steuerungsverfahren sollen ebenfalls angeschlossen werden und so eine Feuerwehr-Priorisierung ermöglichen, müssen dafür aber aufwändig neu geplant werden. Die Erweiterung mit PTV Epics wäre sinnvoll, da unsere Software ohne diese Zusatzplanung auskommt und wesentlich flexibler und leichter einzusetzen ist.

Compass: Und wie geht es bei SIRENE in den nächsten Monaten weiter?

Silke Forkert: Wir stehen auch weiterhin in regem Austausch mit den anderen Projektpartnern. Im Herbst findet dann nach der Hälfte der Projektlaufzeit  eine Halbzeitpräsentation statt. Angedacht ist zudem ein weiteres Anwendertreffen, um im direkten Kontakt mit den Nutzern des Systems zu verbleiben.

Florian Weichenmeier: Die Forschungspartner machen sich sehr viele Gedanken über die Datensicherheit und den Datenschutz in diesem Projekt. Ich hoffe, dass daraus eine tragfähige Struktur entsteht, die leicht auf andere Städte und Gegebenheiten übertragen werden kann.

Über SIRENE

Das vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) beauftragte und geförderte Forschungsprojekt „Beschleunigung von Sicherheits- und Rettungseinsätzen durch Grüne Wellen und optimiertes Routing – SIRENE“ läuft insgesamt über drei Jahre bis 2020. Verbundkoordinator ist das Institut für Automation und Kommunikation e.V., Magdeburg. Neben der PTV Group sind vier weitere Partner involviert: die AFUSOFT Kommunikationstechnik GmbH, Königsbach-Stein, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. – Institut für Verkehrssystemtechnik, Braunschweig, die GEVAS software Systementwicklung und Verkehrsinformatik GmbH, München und die Stadt Braunschweig – Fachbereich Feuerwehr. Das Projektvolumen beträgt 2,57 Millionen Euro, der Förderanteil des BMVI macht 78 Prozent aus.