PTV weltweit: Wie PTV-Software Branchenstandard in den Niederlanden wurde

Dyon van Gaans ist als Regional Director bei der PTV Group für Nordeuropa zuständig

Global denken, lokal handeln – unter diesem Motto hat sich die PTV Group in den vergangenen 40 Jahren international immer breiter aufgestellt. Inzwischen finden sich Niederlassungen auf allen Kontinenten. Im Laufe unseres Jubiläumsjahrs wollen wir Ihnen unsere sechs Vertriebsregionen vorstellen. Zum Start haben wir uns mit Dyon van Gaans, dem Regional Director für Nordeuropa, zum Interview getroffen – ein alter Hase bei der PTV.

Compass: Dyon, erzähle doch mal, wie du zur PTV gekommen bist?

Dyon van Gaans: Nach meinem Studium der Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Logistik habe ich zunächst zwei Jahre bei einem Transportunternehmen gearbeitet und wechselte dann zu Districon – wo ich übrigens auch Vincent Kobesen kennengelernt habe. Dort habe ich bemerkt, dass mein Herz mehr für den Vertrieb als fürs Consulting schlägt. Ich hatte damals von den innovativen Softwarelösungen der PTV gehört und bin nach Karlsruhe gefahren, um Hans Hubschneider zu treffen. Das war 1989. Ich habe ihm einfach vorgeschlagen, seine Software in den Niederlanden zu verkaufen. So haben Vincent und ich dann 1990 die Firma Ordis gegründet und neun Jahre lang als selbstständiges Partnerunternehmen PTV-Produkte vertrieben, bevor aus Ordis dann PTV Benelux wurde.

Compass: Welche Produkte habt ihr damals verkauft?

Dyon van Gaans: Unser Fokus lag schon immer stark auf der Logistik, ins Trafficgeschäft sind wir in unserer Region erst vor ein paar Jahren eingestiegen. Gestartet sind wir mit zwei Produkte: Mega, das jetzt unter dem Namen PTV Map&Guide läuft und Intertour, dem heutigen PTV Route Optimiser. Ich erinnere mich noch genau an meinen ersten Kunden, Van Mierlo in Veghel (NL). Das Unternehmen ist uns bis heute treu geblieben.

Compass: Welche Produkte verkauft ihr heute am besten?

Dyon van Gaans: Auch heute noch sind PTV Map & Guide und der PTV Route Optimiser gemeinsam mit den PTV xServern unsere Bestseller. Wir sind da übrigens sehr kreativ und verkaufen diese Produkte längst nicht mehr nur an Unternehmen aus der Logistik, sondern auch an Pflegedienste oder Gerichtsvollzieher, die ebenfalls ihre Touren optimiert planen müssen.

Compass: Ihr wart in den Niederlanden damit von Anfang an sehr erfolgreich und seid es noch immer – was ist euer Erfolgsrezept?

Dyon van Gaans: Wir haben uns immer auf das konzentriert, was wir am besten können, den Vertrieb von Logistikprodukten.  Wir entwickeln hier nicht selbst, das kommt alles aus Karlsruhe, sondern verkaufen im Prinzip die Standardlösungen. Dabei geben wir den Kunden immer genau das, was sie wirklich brauchen. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass Google uns in den Niederlanden ersetzen könnte, weil unsere Kunden eben Mautdaten und Truckattribute benötigen. Wir setzten zudem von Beginn an auf das Prinzip einer breiten Kundenbasis, statt uns abhängig von Großkunden zu machen. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist meiner Meinung nach zudem unsere Kundennähe. Wir sind immer erreichbar und halten auch mit bestehenden Kunden engen Kontakt. Ein Besuch im Jahr ist obligatorisch. Bei einer Tasse Kaffee entsteht nicht selten ein neuer Auftrag.

Compass: Auf welche Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahre bist du besonders stolz?

Dyon van Gaans: Der größte Meilenstein war sicherlich unsere Kooperation mit dem niederländischen Verband für Transport und Logistik, TLN, 1996. Auf Basis von Map&Guide haben wir den TLNPlanner aufgesetzt, der bis heute Branchenstandard ist und von quasi allen Mitgliedern des Verbands genutzt wird.

Das Team von PTV Benelux

Compass: Wie hat sich die Region nach dem Start in Holland weiterentwickelt?

Dyon van Gaans: Wir haben unseren Vertrieb erstmal nach Belgien ausgeweitet. Die ersten Termine habe ich dort selbst gemacht. 1999 wurden dann Büros in Ieper und Mechelen gemeinsam mit Ludo Hendrix eröffnet. Dort feiern wir dieses Jahr also ebenfalls Jubiläum – das 20-Jährige. Zudem haben wir unsere Fühler auch nach England und Skandinavien ausgestreckt, allerdings mit relativ wenig Manpower. Unser Business Development Manager für Skandinavien ist damals ständig hin- und hergeflogen, weil wir kein Büro in der Gegend hatten. Richtig Schwung bekommen hat das Ganze dann mit der Übernahme des britischen Unternehmens Distribution Planning Software Limited (DPS) 2016.

Compass: Da kam dann nicht nur der Standort in Halesowen in der Nähe von Birmingham, sondern auch in Göteborg dazu …

Dyon van Gaans: Genau. Damit sind wir deutlich näher an unsere Kunden vor Ort gerückt und konnten uns besser positionieren. In Göteborg sind wir inzwischen sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich um ganz Skandinavien kümmern. Da Dänemark ein stark wachsender Markt ist, planen wir ein neues Büro in Kopenhagen. In England weiten wir unser Trafficgeschäft unter der Leitung von Devrim Kara und das Logistikgeschäft unter James de Roo weiter aus. Für eine effiziente Zusammenarbeit tauschen wir uns da eng miteinander aus.

Compass: Sind auch heute noch die Logistikprodukte so wichtig für deine Region?

Dyon van Gaans: Auf jeden Fall.  Das Geschäft mit den Logistikprodukten beherrschen wir hier aus dem Effeff und ich sehe auch weiterhin gute Wachstumsmöglichkeiten. Allein im letzten Jahr haben wir 46 neue Projekte in Benelux realisiert. Erst kürzlich hatten wir beispielsweise gemeinsam mit der niederländischen TLN einen Termin mit dem englischen Transport Verband RHA,  um zu sehen, ob es dort ebenfalls möglich ist, eine Verbandslösung als Branchenstandard aufzusetzen.

Unser Ziel ist es aber auch, die Geschäftsfelder Traffic und New Mobility im Norden von Europa weiter auszubauen. Die Niederlande und Skandinavien gehören ja zu den Vorreitern, was neue Mobilität angeht. Hier werden zum Beispiel jedes Jahr so viele Elektrofahrzeuge wie nirgendwo sonst auf der Welt angemeldet. Ich sehe da viel Potential für unsere Softwarelösungen zur Verkehrsplanung und -optimierung und natürlich für unsere MaaS-Produkte.  In England haben wir zum Beispiel erst kürzlich den Zuschlag für ein Projekt erhalten, bei dem es darum geht, ein Netzwerk an Ladestationen für E-Autos aufzubauen.

Dyon van Gaans & Vincent Kobesen, CEO der PTV Group: Die beiden begannen Anfang der 1990er Jahr PTV Produkte in den Niederlanden zu vertreiben.

Compass: Was denkst du, wie die PTV sich in den nächsten Jahren entwickeln wird?

Dyon van Gaans:  Wir haben mit PTV xServer, dem PTV Route Optmiser und dem Maas-Portfolio hervorragende Produkte. Ich bin mir sicher, dass wir damit das Potential haben, international stark weiter zu wachsen. Mit einem kontinuierlichen Invest in innovative Produkte sind wir bestens für die Zukunft aufgestellt.

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