Eine für alle: AEOLIX verbindet Logistikbranche

Das EU-Forschungsprojekt AEOLIX wird in 12 Living Labs in ganz Europa in der Praxis getestet.

Das EU-Projekt AEOLIX geht zu Ende – und hat erreicht, was anfangs nicht ganz einfach schien. Die paneuropäische Plattform stellt eine Menge nützlicher Dienste für die Supply Chain zur Verfügung. Security- und Kontrollmechanismen sorgen dafür, dass sich Anbieter wie Nutzer dabei absolut sicher fühlen können.

Eine Plattform, sie zu unterstützen, sie alle zu finden und miteinander zu verbinden – so ungefähr könnte man das Ziel des EU-Forschungsprojekts AEOLIX beschreiben. Es gab drei Kernaufgaben für die Projektpartner: eine sichere Kommunikationsmöglichkeit für den Austausch von Daten zwischen den existierenden Systemen und Softwarediensten (Connectivity Engine) sowie ein Dashboard bzw. Applikationsschnittstellen (Toolkit) für die Nutzer der AEOLIX-Plattform bereitzustellen.

Florian Krietsch, Senior Project Manager Logistics Research, PTV Group

„Wir waren besonders in zwei Arbeitspaketen aktiv: zum einen beim Thema Governance, also bei der Verwaltung und Vergabe von Rechten. Zum anderen beim Arbeitspaket zu den verschiedenen Diensten für die Plattform. Hier haben wir Applikationen und Dienste zur Tourenplanung, zur Geocodierung sowie zur Ankunftszeitberechnung bereitgestellt. Außerdem haben wir gemeinsam mit Jan de Rijk Logistics eines der 12 Living Labs geleitet, in dem AEOLIX in der Praxis getestet wurde“, erzählt Florian Krietsch, Senior Project Manager Logistics Research, der das Projekt auf PTV-Seite leitet.

„Alles steht und fällt mit der Sicherheit.“

Krietsch ist überzeugt, dass vor allem die Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit, die die Plattform den Nutzern bietet, maßgeblich für die Erfolgsaussichten ist. „Man kann der Branche lang und breit erklären, dass die Effizienz der Supply Chain von Daten und Informationen abhängt. Aber wenn die Austauschplattform kein Vertrauen weckt oder unsicher scheint, dann wird man niemanden dazu bringen, Daten aufzuspielen oder mit anderen auszutauschen.“

Die im Projekt aufgebaute Plattform bietet diese geschützte Kommunikationsmöglichkeit, um Daten zwischen den Systemen und Softwarediensten zur Verfügung zu stellen. Dafür sorgen mehrere Kontrollen beim Beitritt zur Community sowie während der Nutzung durch Mechanismen zu Datenschutz, Authentifizierung und Sicherheit während der Kommunikation. Sind sie erfolgreich durchlaufen, werden die unterschiedlichen Logistik-Akteure auf taktischer und strategischer Ebene vernetzt. Die Daten können in Echtzeit fließen, was die operative Planung entscheidend verbessern kann. Zum Beispiel Daten zu Angebot und Nachfrage für die Planung der Transporte oder Daten, die für die Durchführung der Transporte wichtig sind, etwa Fahrzeugpositionen oder die voraussichtliche Ankunftszeit.

Die kollaborative IT-Infrastruktur fördert die Transparenz in der Supply Chain. Zudem ermöglicht sie Datenbesitzern und Nutzern gleichermaßen, Informationen einfach und effektiv zu teilen. Dabei gehören nicht nur Transportunternehmen oder Hafenbehörden zur Community, sondern auch viele weitere Akteure, zum Beispiel Infrastrukturbetreiber, Technologielieferanten oder auch Dienstanbieter. Sie beantragen bzw. gewähren (je nach Rolle) Zugriff auf Datendienste und Applikationen. Dazu gehören beispielsweise Routenplanung, Planung intermodaler Transporte, CO2 Monitoring, Management von Gefahrguttransporten und vieles mehr.

Vernetzen heißt auch verbessern

AEOLIX hat eine Menge erreicht: Die Plattform bringt Akteure, die in die relevanten logistischen Prozesse eingebunden sind, zusammen und überdies die verschiedenen IT-Systeme und Lösungen. Europaweit. Und das wirkt sich mehr als nur positiv auf Effizienz, Produktivität und Nachhaltigkeit aus. Zudem können die Daten von AEOLIX-Diensten veredelt werden, sofern die Nutzer diesem explizit zustimmen. Beispielsweise lassen sich GPS-Positionsdaten geokodieren oder aus ihnen wiederum eine Ankunftszeit für eine Tour berechnen.

In 12 Living Labs in ganz Europa wurden die Dienste in der Praxis getestet. „Die Anwendungsfälle waren ganz unterschiedlich, sodass die Tests die komplette Supply Chain abgedeckt haben. Unser ETA (estimated time of arrival)-Dienst kommt in so gut wie allen Living Labs zum Einsatz, in einem auch unsere Tourenplanung“, sagt Krietsch. Am Hafen von Triest hat AEOLIX den Dokumententransfer, die Buchung, den Status sowie das Incident- und Notfallmanagement für mehrere Logistikunternehmen vereinfacht. Gerade hier zeigen sich auch die Potentiale, die sich durch AEOLIX an der Schnittstelle zwischen Logistik und Traffic Management ergeben. „In unserem Living Lab mit Jan de Rijk Logistics testen wir die kollaborative Planung. Im Einsatz ist hier unter anderem PTV Route Optimiser, das zur Tourenplanung und Tourvergabe an Subunternehmer genutzt wird“, so Krietsch.

Bei der Abschlussveranstaltung Ende Juni konnte man sehen, wie groß das Interesse an diesem Projekt ist: viel Presse, hochkarätige Sprecher – das Flaggschiff-Projekt der EU wird nun auch in Serie gehen: „Die guten Ergebnisse und die Praxistauglichkeit werden auch für das Folgeprojekt FENIX weiter interessant sein“, so Krietsch. „Das Projekt wird im August starten – wir freuen uns schon darauf!“

Hier können Sie sich eine Animation zum Projekt ansehen.

AEOLIX – Architecture for European Logistics Information Exchange

Projektleitung: ERTICO – ITS Europe ist eine Partnerschaft von rund 100 Firmen und Institutionen, die sich mit der Produktion Intelligenter Transport System (ITS) befassen. Die ERTICO-Partner führen verschiedene Aktivitäten durch, um ITS zu entwickeln und zu fördern, damit Leben gerettet, die Umwelt geschützt und Mobilität auf kosteneffiziente Weise bereitgestellt werden kann. 34 Projektpartner sind an AEOLIX beteiligt.

Laufzeit: September 2016 bis August 2019

Projektvolumen: rund 16 Millionen Euro.

Aeolix wird von der EU im Rahmen des Horizon 2020 Programms gefördert.