Gute Kombi: ÖPNV und autonome Fahrzeuge (1)

Autonom und e-mobil im ÖPNV

Autonome Fahrzeuge im ÖPNV haben Potenzial: Zusätzliche Angebote, mehr Flexibilität, was besonders auf dem Lande hilfreich und wirtschaftlich wäre. E-mobil wird das Ganze sogar noch nachhaltig. Diesmal sprechen wir mit Petra Strauß, Fachbereichsleiterin ÖV-Planung und Bewertung bei der PTV Transport Consult.

Compass: Was wird sich im Öffentlichen Verkehr durch autonome Fahrzeuge verändern?

Petra Strauß, Fachbereichs-leiterin ÖV-Planung und Bewertung bei der PTV Transport Consult

Petra Strauß: Da autonome Fahrzeuge die operativen Kosten deutlich senken werden, werden sie im ÖPNV langfristig den Markt bestimmen. Das bietet besonders für hochflexible On-demand-Angebote neue Chancen. Auch die Strukturen im öffentlichen Verkehrsmarkt werden sich ändern, für den Stadt- und Verkehrsplaner ergeben sich neue Aufgaben. Mit PTV Visum für die klassische ÖPNV-Planung und dem PTV MaaS Modeller zur Planung und Simulation flexibler On-Demand-Angebote können die Aufgaben der nächsten Jahre bearbeitet werden. Nämlich wie der klassische Linienverkehr und der On-Demand-Verkehr konkret auszugestalten sind, damit sie sich betriebswirtschaftlich und gesamtwirtschaftlich optimal ergänzen.

Compass: Worin besteht nun die dringlichste Aufgabe?

Petra Strauß: In Deutschland werden automatisierte Fahrzeuge vermutlich als erstes im ÖPNV zum Einsatz kommen. Deshalb sollten die strategischen Planungen bereits jetzt darauf ausgerichtet werden. Die Aufgabe der Verkehrsplanung ist es, die Vorteile der Möglichkeiten herauszuarbeiten, zum Beispiel höhere Mobilität für alle, Komfort- und Qualitätssteigerung im ÖPNV, und gleichzeitig mögliche negative Effekte wie Verkehrsleistungsbilanz oder Emissionen zu verdeutlichen. Hier müssen für Stadt- und Land jeweils geeignete Konzepte entwickelt werden.

Wir sind in verschiedenen Forschungsprojekten zu diesen Themen aktiv. So führen wir zum Beispiel für das BMVI eine Studie durch zu „Rahmenbedingungen für den Einsatz automatisiert und elektrisch fahrender (Klein-)Busse im ÖPNV“.

Compass: Wie wird dadurch der ÖPNV der Zukunft beeinflusst?

Petra Strauß: Eine nachhaltige und (stadt-)verträgliche Mobilität wird auch in Zukunft ein wesentliches Ziel der Verkehrsplanung sein. Dabei unterstützen wir Aufgabenträger und Verkehrsanbieter mit konzeptionellen Arbeiten und Wirkungsermittlungen: Entwicklung der Fahrleistungen, CO2-Emissionen, Erreichbarkeiten, Beitrag zur Daseinsvorsorge und vieles mehr.

Auf jeden Fall gilt es, besser abschätzen zu können, wie sich das Mobilitätsverhalten mit den neuen Angeboten ändert. Es geht dabei nicht nur um die Nutzerakzeptanz „autonomer“ ÖPNV-Fahrzeuge. Wichtig ist der Zusammenhang zur Bereitschaft, Fahrzeuge oder Fahrten mit anderen zu teilen. Hier gibt es noch sehr viel Evaluierungs-, Forschungs- und Entwicklungsbedarf.