Gute Kombi: ÖPNV und autonome Fahrzeuge (3) – Vorteile und Möglichkeiten

Die Weichen für die Zukunft sind gestellt: Interview mit Sebastian Pelka, PTV, zu autonomen Fahrzeugen im ÖV. Foto: Pixabay/Erich Westendarp

Autonome Fahrzeuge können den ÖPNV um zusätzliche Angebote bereichern und ihn vielleicht sogar wirtschaftlicher machen. Heute sprechen wir mit unserem Experten Sebastian Pelka, Solution Director MaaS bei PTV, über Möglichkeiten und Vorteile autonomer Fahrzeuge im Öffentlichen Verkehr.

Compass: Was sind die Vorteile des Einsatzes autonomer Fahrzeuge im ÖV?

Sebastian Pelka: Autonome Fahrzeuge ermöglichen natürlich einen kostengünstigeren Betrieb, da die Kosten für das Fahrpersonal entfallen. Und hieraus ergeben sich Möglichkeiten, etwa das Angebot im ÖV zu verdichten, auch im ländlichen Raum, der dadurch attraktiver wird. Mit unserer Software lassen sich solche Möglichkeiten vorab bewerten.

Compass: Wie könnte das beispielsweise aussehen?

Sebastian Pelka, Solution Director MaaS bei PTV

Sebastian Pelka: Eines der Haupteinsatzgebiete der ÖV-Planung im Verkehrsplanungstool PTV Visum ist es, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen, also den Fahrplan mit den Fahrgästen. Besonders für Planungsprojekte, etwa eine neue Linie, lässt sich der Nutzen für die Fahrgäste berechnen. Nutzen bedeutet in diesem Zusammenhang zum Beispiel einen Gewinn an Fahrzeit oder Komfort. Diesem Nutzen müssen aber auch die Kosten der Betreiber gegenübergestellt werden. Wie viele zusätzliche Kilometer müssen gefahren werden? Wie viele Busse werden benötigt? Im Rahmen der Produktentwicklung beschäftigen wir uns derzeit mit der Transformation der klassischen Dieselbus-Flotte zu einer E-Bus-Flotte. PTV Visum kann errechnen, wie viele E-Busse benötigt werden, um eine Dieselbusflotte abzulösen. Nicht nur für den heutigen Bestand, sondern auch für zukünftige Linien und Fahrplankonzepte.

Unsere Software nimmt sowohl die Perspektive der Nutzer als auch die der Betreiber ein und bietet die Möglichkeit der Umlaufplanung (Anzahl Busse) und die Berechnung der ÖV-betrieblichen Kennzahlen (Servicekilometer, Einsatzzeit). Auf dieser Grundlage können wir die Planung mit einem Kosten- Nutzen-Faktor versehen und Entscheidungsträgern Maß und Zahl für ihre Projekte geben.

Compass: Wo siehst du noch Potenzial für autonome Fahrzeuge?

Sebastian Pelka: Auch alternative ÖV-Angebote, wie Ride-Sharing-Dienste (MaaS), können in Verkehrsmodellen abgebildet werden. Die Kostenstruktur dieser Dienste ist aufgrund der kleineren Gefäßgrößen (weniger Sitzplätze pro Fahrer) noch viel abhängiger von den Fahrerkosten. Hier würden autonome Fahrzeuge eine wirtschaftlichere Grundlage solcher Dienste herstellen. Das wachsende Angebot der Dienste muss modelliert werden, damit ihre negativen Folgen in Bezug auf zurückgelegte Fahrzeugkilometer sichtbar werden. Gerade wenn sich autonome Fahrzeuge etabliert haben, gilt es, die Verkehrsströme in Form des klassischen ÖVs zu bündeln.

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